Die Südländer schon wieder

Just an dem Tag, an dem bekannt wurde, dass die Auszeichnung Bibliothek des Jahres 2008 an die Bayerische Staatsbibliothek geht [nämlich heute und ganz zurecht, denn die BSB kann zweifelsohne mit hervorragendem Bestand, Online-Umsetzung und Benutzerfreundlichkeit aufwarten], habe ich das BAM-Portal [Portal für Bibliotheken, Archive und Museen in Deutschland] entdeckt.

In diesem sehr feinen, auf Initiative eines weiteren südlichen Bundeslandes, in diesem Fall Baden-Württemberg, erstellten Portals, werden die vollständigen bibliographischen Daten der Bestände der angeschlossenen Einrichtungen fachgerecht präsentiert, inklusive der Links “zu den Digitalisaten der Museumsobjekte, Archivalien und Bibliothekstitel“.

Wenn ich also Interesse daran habe herauszufinden, wo der Nachlass von Friedrich Schleiermacher liegt, welche Bibliothek Sekundärtexte über sein Leben und Werk beherbergt, in welchem Archivschrank seine Briefkorrespondenz mit Landgraf Ludwig X. lagert und welches Stadtmuseum ein Portrait von ihm als Lithographie im Bestand hat, bin ich hier richtig.

Das Interface sieht schön aus, ist höchst benutzerfreundlich, der Content stimmt und auch die angebundenen Bibliotheken, Archive und Museen, die in einem separaten Fenster mit dem vollständigen Nachweis des Gesuchten auf ihrer eigenen Seite aufpoppen, scheinen ihre Hausaufgaben gemacht zu haben. Kurzum: Vorbildlich!

Da lacht des Herz der Bibliothekswissenschaftlerin, auch wenn sie aus Preußen kommt.

We had a deal

Nachdem ich mir über drei Monate hinweg einen Fast-Rechtsstreit mit der Stabi um zwei sich fälschlicherweise auf meinem Bibliothekskonto befundene Bücher, die ich nie ausgeliehen hatte, lieferte, kam dann gestern endlich die Erlösung:

handschriftlich zurück: beide Bände wurden am 29.5.08 anonym abgegeben

Was ich jetzt noch brauche, ist, dass auch der Depp, der die zwei dringend benötigten Bücher, von denen eines das einzige Exemplar in ganz Berlin ist, nach zwei Wochen Leihfristüberschreitung endlich zurückgibt, damit meine vor vier Wochen getätigte Vormerkung endlich in Kraft treten kann. Mir geht es da wirklich nicht um Nächstenliebe, mir doch egal, wenn jemand freiwillig horrende Mahngebühren in Kauf nimmt (die zweite Mahnung dürfte raus sein, laut Gebührenordnung sind das pro Buch jetzt schon 5 EUR), aber so haben wir einfach mal nicht gewettet. Grundlegender Bestandteil des Systems Bibliothek ist die Einigung darauf, Bücher, die man nicht mehr braucht oder überfällig sind, sofort zurückzugeben, damit auch die anderen Benutzer sie ausleihen können. Das ist kein “typisch deutsch”-Faschistengewäsch, sondern der Vertrag, auf den sich jeder einlässt, sobald er ein Bibliotheksgebäude betritt. Und die Vorteile dieses Vertrages in Anspruch zu nehmen (ausleihen gegen geringe Jahresgebühr), reicht nicht, ohne auch die Kehrseite des Ganzen (wiedergeben, wenn ausgelesen) in Kauf zu nehmen. Nicht umsonst sind Bibliotheken eine der ersten Kulturgüter, die der Mensch geschaffen hat.

Innsbrucker Zeitungsarchiv

Der Linktipp für heute: Innsbrucker Zeitungsarchiv zur deutsch- und fremdsprachigen Literatur : Medienarchiv und Forschungseinrichtung für Literaturkritik, Literaturvermittlung und Rezeptionsforschung.

Gerade lese ich nämlich [fast] alles zum feuilletonistischen Literaturskandal des Jahres 2002. Der Walser und sein angeblich antisemitischer Kritikerroman. Und im Innsbrucker Zeitungsarchiv findet man wirklich verdammt viel dazu. Das Handling könnte noch verbessert werden:

  • Die Codierung in Frames erschließt sich nicht. Erstens sind die Frames fest und lassen sich vom User nicht verschieben, was bedeutet, dass in der linken Spalte teilweise Content abgeschnitten wird. Zweitens erinnert das sehr an Pages von Editionsprojekten, die auch immer dazu tendieren, so zu codieren, dass zwar der fachliche Rahmen gewahrt bleibt, kein Normalsterblicher aber weiß, wie er sich zu orientieren hat: Welcher Frame hängt mit welchem zusammen? Was passiert, wenn ich einen Link anklicke, der im horizontalen unteren Frame steckt? Verändert sich dann der Content im mittleren großen Frame? Wie komme ich wieder zurück zum ursprünglichen Ort?
    Seiten, für die man erst einen Navigationsplan lesen oder die “Hilfe”-Seite anklicken muss, haben eigentlich schon fast verloren.
  • In den Listenansichten im mittleren Frame sind nur die Schlagwörter farblich gekennzeichnet, der Rest ist eine Soße. Ab und zu Fettdruck, z.B. um den Namen der Zeitung vom Datum abzuheben, hätte nicht geschadet. Auch erschließt sich nicht, warum z.B. die extragenaue Angabe des Ressorts, auch noch in Verbindung mit einer Hauptkategorie (Meinung: Kommentar, Besprechung: Hörbuch, Nachricht: Kurznachricht etc.) überhaupt einen Platz in der Listenansicht verdient hat oder nicht zumindest eine Schriftgröße kleiner hätte sein können, da erstens sowieso kaum einer mehr als zehn Ressorts aufzählen kann, und das zweitens selten eine Angabe von Interesse ist, zumal die Anzahl der Wörter dabei steht.
  • Völlig undurchsichtig ist die Suche. Warum erhalte ich eine endlose alphabetisch geordnete Ergebnisliste wenn ich “Tod eines Kritikers” oder Martin Walser, selbst in Anführungsstrichen eingebe? Die Anführungsstriche schließen aus, dass jedes Wort gesucht wird und wenn man sich die Liste näher anschaut, sieht man auch, dass die Ergebnisse weit mehr Wörter enthalten, als die, die man eingegeben hat. Einzige Erklärung: Die exakten Treffer stehen ganz oben, darunter kommen alle verwandten Schlagwörter, bei “Martin Walser” also eine Auflistung aller vergebenen Namen. Neben der Frage “Warum?”, wäre das ja fast ein Armutszeugnis für den mangelnden Content, denn sooo lang ist die Ergebnisliste nun auch nicht.

Sei es drum. Denn ich finde trotz allem, dass die Macher des Innsbrucker Zeitungsarchivs auf einem guten Weg sind. Hervorragender Content, sehr gute PDF-Qualität, vieles kostenlos und wenn gegen Geld, dann nicht teuer.

link miscellanea for march 18

Filmchen um und über Bibliotheken kann man im Blog Library Videos - the best of… finden.

Auf das Blog Stuff white people like [das es erst seit Januar gibt] hat sogar schon die Süddeutsche hingewiesen. Das heißt, dieser Eintrag kommt ca. 3 Monate zu spät. Bevor Fragen kommen: der Macher Jess ist weiß.

Nur ein paar Tage zu spät kommt dieser Hinweis. Johnny Haeusler äußert sich zur neuen Berliner Imagekampagne “Be Berlin”. Es geht um allgemeine Promofragen und die wirklich monstermäßig unterirdische Site sei-berlin.de. Lesenswert!

Im Zusammenhang des Haeusler-Posts auch das folgende Blog entdeckt [man lernt ja nie aus] und für gut befunden: off the record, Blog von Horizont.net mit den Schwerpunkten Marketing, Werbung und Medien.

Noch ganz am Anfang und inhaltlich deswegen eher beta, aber trotzdem ein Projekt, das hoffentlich größer wird: Encyclopedia of Life. Ich weise in diesem Zusammenhang und immer wieder gern auf das ganz hervorragende Natural History Museum in London hin. Wer gerade da ist, lasse wenigstens für einen Nachmittag Pubs, Plattenläden und Flohmärkte links liegen und gehe dorthin! Der Eintritt ist wie in fast allen Londoner Museen natürlich frei. [Das Science Museum ist übrigens auch ganz gut, aber more geeky.]

Für Globus-im-Kopf-Trotter

Ein nicht neues, mir bis hierhin aber unbekanntes Googletool: Panoramio. Bietet eigentlich genau das, was bei Google Earth noch noch gefehlt hat, nämlich Fotos von den Plätzen, die man sich gerade von oben anschaut - hochgeladen von Usern und mit Tags versehen, sozusagen Geographie-Flickr. Die Bilder sind zum größten Teil hochauflösend und machen deswegen auch als Wallpaper viel Freude. Kann man mal wieder schön hängenbleiben.

Lesen, bitte!

Auch ich als Bibliothekarin möchte den VerwertungsgesellschaftlerInnen des Öfteren sagen, dass

[d]as Internet auch dann nicht nicht weg [geht], wenn man sich ganz doll die Augen zuhält.

Das deutsche Urheberrecht ist der Treppenwitz der Geschichte, und jeder, der sich für Kulturgüter interessiert, kann ja mal den neuesten Erguss von Herrn Häussler zu dem Thema lesen: Wie es die Musikindustrie doch noch ins 21. Jahrhundert schaffen kann.

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