Nach oben. Oder nach unten.
Die fast tägliche Dosis Trash TV hat für den Lacher des Abends gesorgt. Nicht von “Sarah & Marc”, weil die vielleicht crazy in Love, aber auch crazy konstruiert sind, sondern von Borderline-Gisele, die es bei “Simply the best” [kann man ein Format eigentlich noch dreister 1:1 kopieren?] wegen der Traumkombination Zickig & Geil auf Platz 5 der unterhaltsamsten “Germany’s next Top Model”-Models gebracht hat:
Ich habe auch Angst, mit mehreren Leuten im Fahrstuhl zu fahren, und ich weiß nicht, wo es hingeht.
Geil.
Also, Gisele: Nach oben.
Oder nach unten.
Je nachdem, welcher Knopf gedrückt wurde.
Alles neu macht der Mai
Der Plattenspieler ist wieder ganz, und sukzessive werden die Alben der Jugend nachgekauft werden, natürlich auf Vinyl. Das erste ist geworden The Verve mit “Urban Hymnes” und Frau Ana hat andächtig in ihrem Schaukelstuhl gesessen vor ein paar Tagen und Seite A gehört, die mit dem fulminanten “Bitter sweet symphony” beginnt, das wiederum Tränen in Frau Anas Augen schießen ließ, was entweder am hormongeschwängerten Zustand oder einfach an der arschgeilen Violinen-Hookline gelegen haben könnte.

Die Maus musste auch gewechselt werden. Die kleine silber-rote wurde im Januar vor 2 Jahren zusammen mit dem tragbaren Computer [toshiBAAAAA] erstanden und die emotionale Bindung war seitdem immer stärker geworden. Die Nachricht über den Tod kam zwar nicht überraschend, da die Kabel schon seit einiger Zeit wackelten, trotzdem war es traurig und sie wird auch aufgehoben werden, auf dem Gerätschaftenfriedhof, auch wenn das irgendwie lächerlich anmutet. Die neue blinkt in den Farben des Regenbogens, hat auch ein selbstaufrollendes Kabel und ist ein wenig größer, deshalb handlicher. Das Ganze folgt dann der Maxime: Touch pad is for suckers.


Am allergroßartigsten aber sind neuer Kopf und Nylonsaiten an der für 70 Mark vor 8 Jahren auf ebay ersteigerten Gitarre. Eigentlich wäre das alles schon in Sack und Tüten gewesen, extrateure mit Phosphor versetzte Stahlsaiten sollten es sein, aber beim Festziehen der letzten Saite flog Frau Ana dann ein Wirbel um die Ohren. Der Kerl und Herr J. versuchten die Reanimierung, scheiterten aber kläglich und mussten sich am Samstag im Instrumentenladen anhören, dass es ein Wunder gewesen sei, dass nicht der Steg schon viel weit vorher mit abgeflogen sei, denn der sei nur verklebt und nicht verschraubt und Stahlseiten für die Art Gitarre allemal völlig ungeeignet. Der neue Kopf schimmert nun golden und perlmuttfarben, die Saiten sind sowieso geschmeidiger für die Hände und endlich kann Frau Ana wieder spielen, Zeit wird es, dass auch der Sohn sich zwar nicht an singende, das machen wir schließlich ständig, aber von der Gitarre begleitete Eltern gewöhnt. Statt Klassik gibt es dann sanftes Akustikgezupfe auf Kopfhöhe. Blöd nur, dass gerade jetzt die Batterie des Stimmgeräts seinen Geist aufgegeben und Frau Ana nie das absolute Gehör ausgebildet hat. Also, erst zur Tanke und Batterien kaufen, Hände waschen auch, weil Schwitzeschweiß auf Plastiksaiten sich überhaupt nicht gut macht.


Der Illuminator
Heute nach der Uni im schönen Gräfekiez unterwegs gewesen, Häuserfassaden ausgemacht, hinter denen potenzielle zukünftige größere Wohnungen liegen könnten und Schaufensterspotting gemacht, wobei der Anteil an Hip-Schickimicki-Design-whatever-Läden zum Glück schön gering ist. “Uhren und Schmuck Göring” war dann auch so geil understated und altmodisch, dass man drinnen Licht, aber weder ein Öffnungszeitenschild noch sonst irgendwas entdecken konnte und tatsächlich klingeln musste, um Einlass zu bekommen. Sicherheitsmaßnahme? Komischer antiquer Spleen?
Der Eintritt sollte jedenfalls gewährt werden, weil Frau Ana neulich ihr Mobiltelefon vergessen hatte, keine Uhr weit und breit entdecken konnte und überhaupt schon länger darüber nachgedacht hatte, wieder einen Handgelenkzeitanzeiger anzuschaffen, weil es inzwischen an immer mehr Orten als unanständig verurteilt wird, sein tragbares Telefon herauszuholen, wenn man wissen will, welche Stunde geschlagen hat. Als alte Tocotronicverehrerin kommt - na klar! - nur eine digitale Uhr in die Tüte, und im Schaufenster der Familie Göring waren besonders tolle Exemplare von Casio zu entdecken, für gerade mal gut zwei Stundenlöhne. Frau Göring war sehr redselig, hat uns obendrein eine handgemachte Kuckucksuhr aus dem Schwarzwald präsentiert, die aber erst getestet werden muss, bevor der Kunde sie sich ins Wohnzimmer hängen kann, nicht dass nachher Klagen kommen und so. Fast triumphierend preiste Frau Göring die Kuckuckabschaltfunktion an, was Frau Ana fast dazu brachte, zu konstatieren, dass das Ticken ihr viel mehr auf den Zeiger gehen würde, sah dann aber davon ab - ob der circa 784 Uhren, die überall im Laden hingen und eben tickten.
Beim Casio Illuminatoren handelte es sich um Liebe auf den 1. Blick und da Frau Ana schon damals vor zwei Jahren in London mit dem schnellsten Sonnenbrillenkauf der Welt auftrumpfen konnte, stand sie auch hier ihrem Ruf in nichts nach und sagte einfach: “Die da mit türkis”. Die da mit Türkis ist dann auch eine richtige Checkeruhr - mit 50 m wasserdicht [nicht nur spritzgeschützt!] und “Back to the future”-Button, der die Anzeige fluoriszierend illuminiert. Ja!



[Der abgeknibbelte Daumen gehört übrigens nicht Frau Ana, sondern dem Kerl, dem nervösen Hemd.]
Wir auch bald
Nämlich Eltern. Und ich musste ein bisschen lachen, als ich diesen im Wahn verfassten Text gerade entdeckte und feststellen musste, dass ich auch in der Nochnichtelternretro- und Baldaberperspektive noch genauso denke über den beschriebenen Nachmittag. Mit dem Hinweis: Nur Mama und Papa, das geht nicht. Vielmehr - und hier verweise ich auf die kluge, Humor mitnichten entbehrende Feststellung der Herren KatzundGoldt - “Wenn man neue Leute kennen lernen will, muss man ab einem gewissen Alter welche gebären.” Merke: Aber auch neue Leute sollten trotz ihrer Neuartigkeit nicht zum permanenten Gesprächsthema permutieren.
Eigentlich outet man sich ja als asoziales Arschloch, wenn man über sogenannte Kleinfamilien lästert. Hast ja wohl zu heiß geduscht, denn wer steckt das schon so einfach weg? Diese Belastung! Die Schlaflosigkeit! Und erst recht - der gesellschaftliche Nutzen, zu dem Reproduzierwillige beitragen! Dennoch… gestern im Wohnzimmer einer mittelgroßen deutschen Stadt: eine werdende, zwei richtige Mütter, zwei Väter, drei Kinder zwischen 1/2 und 5 und mittendrin ich, und wer sagt, das ist doch alles ganz idyllisch, anstrebsam auch, den frag ICH jetzt mal, ob er nicht zu heiß geduscht hat. Ja, wir hatten alle mal Einsen, ein eigenes Leben, Hobbies sogar, oder Freizeitbeschäftigungen oder wie man das nennt. Und wenn dann the whole human interaction nur noch aus Häschen hüpf, quadratischen, mit Plastik überzogenen Bilderbüchern, Blinkerklapperwertvollspielzeug, Arschmüffelfaktor (Zum Herausfinden der Windelwechselnotwendigkeit wird das ganze Kind nach oben gehalten, auf das die Kinderrückseite sich im eigenen Gesicht befindet und erschnüffelt werden kann.), außerdem Fieber, Halsentzündungen, und Anekdoten, ja Anekdoten, besteht, dann weiß ich nicht, ob mein amüsiertes Grinsen echt oder so gefakt ist, dass ich es nicht mal merke, und eigentlich tausche ich tausend hektisch, kaltneblig, (natürlich) auf dem Balkon gerauchte Kippen gegen DAS HIER.
Nicht, dass da irgendwas schlimm dran wäre, Kinder und Familie und so. Nein, nein, das weise ich von mir. Die Lebensmodellverteilung ist vielmehr das, was mir Sorge bereitet. Die Lifestyleantikinderlobby bleibt schön unter sich und die anderen eben auch. Das schlägt sich alles auf die Kommunikation nieder, und das mag Sinn ergeben, auch Kinderhasser und Verweigerer der Weitergabe genetischen Materials sind Menschen, und das habe ich an meinem gestrigen Fasteinnicken im Kreise elternkompatibler Gesprächsthemen und ständig auf hohen Frequenzen dazwischen brüllenden Kinderstimmen feststellen können. Ja ja, selbstverständlich nehme ich aus dem Humanargument die ErzeugerInnen nicht raus. Der Wortschatz mag geschrumpft, oder sagen wir, der übliche Wortschatz ein Sabbatical genommen haben, aber wenn man ganz genau die Ohren spitzt und sich immer das Bild der studierten, vor der Turmbühne Substanzen ausschwitzenden Muttermilchkuh vor Augen hält, blitzt irgendwo der NichtnurfürsorgerIn-Zustand durch. Das kann auch nicht gesund sein, nur Spinat und Kindergarten und Rotzbälger, die erst dann aufhören “Mutti” wie ein Mantra vor sich her zu stammeln, bis man aufschreit “WAS DENN?!”.
link miscellanea for march 18
Filmchen um und über Bibliotheken kann man im Blog Library Videos - the best of… finden.
Auf das Blog Stuff white people like [das es erst seit Januar gibt] hat sogar schon die Süddeutsche hingewiesen. Das heißt, dieser Eintrag kommt ca. 3 Monate zu spät. Bevor Fragen kommen: der Macher Jess ist weiß.
Nur ein paar Tage zu spät kommt dieser Hinweis. Johnny Haeusler äußert sich zur neuen Berliner Imagekampagne “Be Berlin”. Es geht um allgemeine Promofragen und die wirklich monstermäßig unterirdische Site sei-berlin.de. Lesenswert!
Im Zusammenhang des Haeusler-Posts auch das folgende Blog entdeckt [man lernt ja nie aus] und für gut befunden: off the record, Blog von Horizont.net mit den Schwerpunkten Marketing, Werbung und Medien.
Noch ganz am Anfang und inhaltlich deswegen eher beta, aber trotzdem ein Projekt, das hoffentlich größer wird: Encyclopedia of Life. Ich weise in diesem Zusammenhang und immer wieder gern auf das ganz hervorragende Natural History Museum in London hin. Wer gerade da ist, lasse wenigstens für einen Nachmittag Pubs, Plattenläden und Flohmärkte links liegen und gehe dorthin! Der Eintritt ist wie in fast allen Londoner Museen natürlich frei. [Das Science Museum ist übrigens auch ganz gut, aber more geeky.]
Neues aus der bunten lustigen ebay-Welt
Besonders gern amüsiere ich mich ja über menschliche Unzulänglichkeiten wie Rechtschreibschwächen, Übergewicht und andere selbstverschuldete Unmündigkeiten, und heute haben wir mal wieder ein besonders schönes Exemplar aus dieser Gattung gefunden:

Na, wo ist der Fehler?
Richtig! Der aufmerksame Leser fragt sich natürlich: “Was ist ein besch?”
“Beschissene” Shorts, aber ich schreibe es nicht aus, damit man es nicht merkt? Bescheiden? Beschnitten? Ja, was denn nun?
Schaut man sich an, was die ebay-Neuankömmlingin noch so verkauft, stößt man auf das hier und plötzlich fällt es einem wie Schuppen von den Augen!

Na? Na?
Klar!
“Besch” ist beige! Und erhärtet wird diese These eindeutig durch die Artikelbeschreibungstabelle unter dem ebay-Header. Da steht nämlich in beiden Fällen neben Größe, Material usw. “Farbe: beige”.
Ich habe jetzt noch nicht halb so viel auf ebay VER- wie GEkauft, glaube mich aber daran zu erinnern, dass man die Angaben aus der Beschreibung manuell anklicken muss, also welche Größe, Scrolldown, Klick, welche Farbe, Scrolldown, Klick usw.
Man stelle sich also vor, dass dieses Mädchen zuhause sitzt, die Farbe mit der richtigen Schreibweise anklicken muss und ihre Überschrift dann trotzdem so stehen lässt: “Ach, so wird ‘beige’ geschrieben? Mir doch egal!”.
Ohne ebay wäre die Welt doch ein bisschen farbloser.




