Mind Map 1.0
Thema: Joseph von Eichendorff “Das Marmorbild” [1819]

Baby Bag
Im vorangegangenen Post habe ich behauptet, ich täte meine neue Frühlings-Sommer-Umhängetasche aus einem orangefarbenen Baumwollstoff schneidern. Das habe ich auch gemacht, circa 7 Stunden mit viel Liebe und Hingabe und Pflichtbewusstsein, wie es meine Art ist, am letzten Sonntag, und so hübsch und detailreich ist sie geworden und mutig wollte ich sein, mal was wagen, eine ganz verrückte Farbe und jetzt bin ich doch nicht wie Kimya Dawson, die tolle Weirdofrau, die bestimmt ihre Hornbrille zurechtrückte, blinzelte und mir dann die Tasche aus der Hand nähme und dabei flüsterte: It’s for the “part of me that knows I never cared for being cool”
Aber ich bin nicht Kimya Dawson und jetzt ist es Zeit, eine neue Tasche zu schneidern, denn diese ist mir gar zu infantil, genau richtig also für ein Baby-Utensilien-Trägermedium, aber nicht für 61, wo ich wohl oft Eis essen gehe zukünftig und schon genug angestarrt werde wegen der Chuzpe, die ich besitze, so jung aussehend ein Kind auszutragen, da brauche ich nicht auch noch den verschmitzten Blick auf eine orangene Umhängetasche mit Bäumen drauf.
Die Imaginations-Ausführsynchronisation muss auf jeden Fall noch verbessert werden, dann hätte ich das vorher absehen können. Aber andersrum hätte ich dann jetzt auch keine so schöne Babywindeltasche.
Der Illuminator
Heute nach der Uni im schönen Gräfekiez unterwegs gewesen, Häuserfassaden ausgemacht, hinter denen potenzielle zukünftige größere Wohnungen liegen könnten und Schaufensterspotting gemacht, wobei der Anteil an Hip-Schickimicki-Design-whatever-Läden zum Glück schön gering ist. “Uhren und Schmuck Göring” war dann auch so geil understated und altmodisch, dass man drinnen Licht, aber weder ein Öffnungszeitenschild noch sonst irgendwas entdecken konnte und tatsächlich klingeln musste, um Einlass zu bekommen. Sicherheitsmaßnahme? Komischer antiquer Spleen?
Der Eintritt sollte jedenfalls gewährt werden, weil Frau Ana neulich ihr Mobiltelefon vergessen hatte, keine Uhr weit und breit entdecken konnte und überhaupt schon länger darüber nachgedacht hatte, wieder einen Handgelenkzeitanzeiger anzuschaffen, weil es inzwischen an immer mehr Orten als unanständig verurteilt wird, sein tragbares Telefon herauszuholen, wenn man wissen will, welche Stunde geschlagen hat. Als alte Tocotronicverehrerin kommt - na klar! - nur eine digitale Uhr in die Tüte, und im Schaufenster der Familie Göring waren besonders tolle Exemplare von Casio zu entdecken, für gerade mal gut zwei Stundenlöhne. Frau Göring war sehr redselig, hat uns obendrein eine handgemachte Kuckucksuhr aus dem Schwarzwald präsentiert, die aber erst getestet werden muss, bevor der Kunde sie sich ins Wohnzimmer hängen kann, nicht dass nachher Klagen kommen und so. Fast triumphierend preiste Frau Göring die Kuckuckabschaltfunktion an, was Frau Ana fast dazu brachte, zu konstatieren, dass das Ticken ihr viel mehr auf den Zeiger gehen würde, sah dann aber davon ab - ob der circa 784 Uhren, die überall im Laden hingen und eben tickten.
Beim Casio Illuminatoren handelte es sich um Liebe auf den 1. Blick und da Frau Ana schon damals vor zwei Jahren in London mit dem schnellsten Sonnenbrillenkauf der Welt auftrumpfen konnte, stand sie auch hier ihrem Ruf in nichts nach und sagte einfach: “Die da mit türkis”. Die da mit Türkis ist dann auch eine richtige Checkeruhr - mit 50 m wasserdicht [nicht nur spritzgeschützt!] und “Back to the future”-Button, der die Anzeige fluoriszierend illuminiert. Ja!



[Der abgeknibbelte Daumen gehört übrigens nicht Frau Ana, sondern dem Kerl, dem nervösen Hemd.]
Modern life is rubbish
Auf der Suche nach Hörspielkassetten aus meiner Kindheit auf das hier gestoßen. So geil, dass man keine Worte verlieren muss.

Tag der Bibliotheken
Jetzt bin ich nicht besser, als all die Idioten, die im Radio zwar die Neueröffnung der Anna-Amalia-Bibliothek angekündigt, aber völlig unter den Tisch haben fallen lassen, dass der 24. Oktober auch Tag der Bibliotheken ist. Und ich bin deshalb nicht besser, weil ich gestern [also heute] keine Zeit hatte, und deshalb diesen Post VORdatiere, damit ich so tun kann, als wäre heute gestern. Das ist fast so gut, wie der von Horst Evers erfundene Bäckerei-Dialog: “Hallo, ich hätte gerne schon heute für morgen ein Brot von gestern!”
Jedenfalls, Tag der Bibliotheken. Was soll man noch sagen? Geht da rein, Kinder, Jugendliche, Erwachsene, Rentner, Privatpersonen, Studierende. Macht was daraus, Angestellte, und tut nicht immer so, als wäre es irgendwie anzüglich, sich selbst zu präsentieren und Leute begeistern zu wollen. Und ihr da im Bundesministerium für Bildung und Forschung - mehr Geld, bitte!
Ich will im Zuge dessen auch mal eine Lanze für die Ausbildung zur Bibliothekswissenschaftlerin brechen. Ja, das kann man studieren. Nein, ich lerne nicht nur, ein Wägelchen zwischen den Regalen durchzuschieben und Leute streng anzusehen, wenn sie ein Buch selbstständig zurückstellen, ohne die Systematik zu kennen. Ja, ich lerne noch ganz viele andere Sachen, nämlich Bibliotheks- und Buchgeschichte, Bibliothekssysteme in den verschiedenen Ländern, Katalogisierung nach wissenschaftlichen Standards, BWL, Öffentlichkeitsarbeit, Informationstechnologie, Ermitteln, Verwalten, Präsentieren und Vermitteln von Information, kurz, alles, was mir dabei hilft anderen zu helfen. So super google auch ist, gute Bibliotheken kann es nicht ersetzen.
Die Maschinen übernehmen
Das weiß ich ganz genau und bevor irgend jemand sagt: “Ja ja, red du mal”, liefere ich auch die untrüglichen Beweise.
- Gestern abend habe ich einen Film auf dem Laptop geschaut und der war lang und nicht auf DVD, sondern nur auf CD, also auf zweien, weil er eben so lang war. Und ich habe vier Dateien auf den Desktop kopiert [2x avi, 2x srt] und ich war schon angespannt, weil die ersten beiden Dateien ja irgendwann zuende sind und dann habe ich an die Pause gedacht, die zwingend entstanden wäre, wenn ich die anderen hätte anspielen müssen. Hätte, würde, könnte. So war es dann aber nicht, denn - und hier komme ich zu Punkt eins der Beweisführung: ich musste gar nix machen! Nix! Einfach weiterschauen! Es hat kurz mal gezuckt in Bild und Ton und ich brauchte so zwei Minuten, bis die Information in den dafür vorgesehenen Hirnarealen angekommen war und dann dachte ich: “Schau doch mal auf die Progressleiste vom Medienspieler” [aber nicht Media Player, der zickt ein wenig bei Untertiteln], und siehe da, die beiden zweiten Dateien liefen schon! Und, jetzt kommt’s: Die liefen nicht mal erst seit zwei Minuten. Das Bild- und Ton-Zucken war ein ganz normales Zucken, jedenfalls nicht verursacht vom Wechsel und das fand ich schon erschreckend, dass man das - heutzutage - so gar nicht mehr merkt, wenn der Computer zum eigenen Wohlbefinden beiträgt. Aber auch eher nicht, weil ich würde den Wechsel ja lieber selbsttätig vollziehen. Wer weiß, was da noch kommt, zuerst ist es nur der Dateienwechsel und schwuppelwupp….
- Magix Video de Luxe ist auch nicht mehr das, was es mal war. Wollte eben nur Untertitel zu einem eigenen Film erstellen [was ja nebenbei bermerkt, die undankbarste aller undankbaren Aufgaben ist] und irgendwann, nach einer Stunde Arbeit und drei geschafften Filmminuten [dieses Verhältnis! Untertitel erstellen ist ja auch die… ach, das hatten wir ja schon] macht MVDL nix mehr! Ganz normale Handlungsabläufe und plötzlich eine Fehlermeldung, die starr und steif auf dem Bildschirm bleibt und zu denken scheint: “Mein großer Auftritt! Endlich! Wie lange habe ich darauf gewartet! Monate! Das lass ich mir nicht vermasseln und geh einfach wieder, wenn du einmal auf ‘OK’ gedrückt hast! Nix da!!!” War auch nix mehr da. Also, der Rechner schon, aber die CPU-Auslastung war ein Witz, nur hab ich niemanden lachen hören, nur mich in der Küche beim Essenmachen, aber das liegt daran, dass ich in Momenten des Chaos vor Wahnwitz nur so sprühe.
Was ich gelernt habe:
- Magnolia ist immer eine Reise wert.
- Wenn Philip Seymour Hoffmann an meiner Tür klingelt, geh ich mit.
- Nachschauen, ob MVDL eine Auto-Speicher-Funktion besitzt. Wenn nicht: Nach dem ersten erstellten Untertitelsatz Wecker auf in fünf Minuten stellen und immer wieder ‘Schlumm’ drücken [’Schlumm’ steht - im Gegensatz zu ‘Aus’ - für ‘Schlummerfunktion’ und das ist ja wohl das schönste neudeutsche Wort, das es gibt!]
- Nicht die Maschinen übernehmen lassen.














