Nach oben. Oder nach unten.

Die fast tägliche Dosis Trash TV hat für den Lacher des Abends gesorgt. Nicht von “Sarah & Marc”, weil die vielleicht crazy in Love, aber auch crazy konstruiert sind, sondern von Borderline-Gisele, die es bei “Simply the best” [kann man ein Format eigentlich noch dreister 1:1 kopieren?] wegen der Traumkombination Zickig & Geil auf Platz 5 der unterhaltsamsten “Germany’s next Top Model”-Models gebracht hat:

Ich habe auch Angst, mit mehreren Leuten im Fahrstuhl zu fahren, und ich weiß nicht, wo es hingeht.

Geil.

Also, Gisele: Nach oben.

Oder nach unten.

Je nachdem, welcher Knopf gedrückt wurde.

Beim Zappen ertappt

Worauf man nicht so alles trifft, wenn man die großartige Erfindung Videotext nutzt. Dass die TED-Frage täglich gestellt wird, mag ihren dämlichen Grundcharakter erklären. Die an Wahnsinn grenzende Willkürlichkeit der Antwortenauswahl wundert zwar nicht, ist aber zumindest für einen Lacher gut. Was einem den Mund offen stehen lässt, ist allerdings die Chuzpe mit der überhaupt nicht versucht wird zu vertuschen, dass ehrlich KEINE SAU anruft.

We had a deal

Nachdem ich mir über drei Monate hinweg einen Fast-Rechtsstreit mit der Stabi um zwei sich fälschlicherweise auf meinem Bibliothekskonto befundene Bücher, die ich nie ausgeliehen hatte, lieferte, kam dann gestern endlich die Erlösung:

handschriftlich zurück: beide Bände wurden am 29.5.08 anonym abgegeben

Was ich jetzt noch brauche, ist, dass auch der Depp, der die zwei dringend benötigten Bücher, von denen eines das einzige Exemplar in ganz Berlin ist, nach zwei Wochen Leihfristüberschreitung endlich zurückgibt, damit meine vor vier Wochen getätigte Vormerkung endlich in Kraft treten kann. Mir geht es da wirklich nicht um Nächstenliebe, mir doch egal, wenn jemand freiwillig horrende Mahngebühren in Kauf nimmt (die zweite Mahnung dürfte raus sein, laut Gebührenordnung sind das pro Buch jetzt schon 5 EUR), aber so haben wir einfach mal nicht gewettet. Grundlegender Bestandteil des Systems Bibliothek ist die Einigung darauf, Bücher, die man nicht mehr braucht oder überfällig sind, sofort zurückzugeben, damit auch die anderen Benutzer sie ausleihen können. Das ist kein “typisch deutsch”-Faschistengewäsch, sondern der Vertrag, auf den sich jeder einlässt, sobald er ein Bibliotheksgebäude betritt. Und die Vorteile dieses Vertrages in Anspruch zu nehmen (ausleihen gegen geringe Jahresgebühr), reicht nicht, ohne auch die Kehrseite des Ganzen (wiedergeben, wenn ausgelesen) in Kauf zu nehmen. Nicht umsonst sind Bibliotheken eine der ersten Kulturgüter, die der Mensch geschaffen hat.

Die Kette der Peinlichkeiten

Hier passt mal der durch die NEON zum geflügelten Satz avancierte Ausspruch: “In was für einem Land leben wir eigentlich?!”

Vor zwei Jahren entscheiden sich 9 Feuerwehrmänner aus Groß Gaglow bei Cottbus nach einer Feuerwehrübung, auf die Polohemden, die sie bei Feuerwehrübungswettkämpfen im Umland als Zeichen der Zusammengehörigkeit tragen wollen, den Spruch, den Hitler 1938 in einer Rede an seine HJ richtete, zu drucken:

Flink wie die Windhunde, zäh wie Leder, hart wie Kruppstahl.

Weil man ja auch selber flink, zäh und hart sei, das passt ja dann. Von Hitler hatte man wahrscheinlich schon mal was gehört, aber wahrscheinlich in ganz anderen Kontexten auf dem Brandenburgischen Dorffest, wo die NPD ihren Sonnenschirmstand hatte.

Das ist dumm, aber gegen Dummheit kann man eben selten etwas machen, außer vielleicht lesen oder in der Schule aufpassen oder so. Und außerdem ist es auch nur die Ausgangslage, an der sich die erwähnte Kette der Peinlichkeiten erst auffädelte und die ganz schön viele Glieder hat.

Gemerkt hat nämlich niemand was. Weder Verwandte, Bekannte, Freunde oder Wettkampfkollegen, die wahlweise den Feuerwehrmännern, die Polohemden tragend, im Wettkampf gegenüberstanden, als Publikum zugegen waren, die besagten Polohemden in der Waschmaschine wuschen, sie aufhängten, auf der Wäscheleine im Garten baumeln sahen oder irgendwie anderweitig diese Polohemden zu Gesicht bekamen, wohlgemerkt zwei Jahre lang. Ich weiß zwar nicht, wie oft solche Feuerwehrübungswettkämpfe durchschnittlich pro Jahr stattfinden, man kann aber sicherlich davon ausgehen, dass ein paar Hundert Leute diesen Aufdruck erblickten, ohne dass auch nur einer wenigstens stutzte.

Gemerkt hat auch keiner was auf dem Feuerwehr-Wettbewerb in Lübbenau am letzten Wochenende, jedenfalls weder der verantwortliche Feuerwehrleiter Manfred Mrose, noch eine der 27 anderen Mannschaften, noch einer der einigen hundert Zuschauer, noch die Herren und Damen Landtagsabgeordnete Schippel [SPD] und Schier [CDU]. Da musste erst der Lübbenauer Pressesprecher Hans-Joachim Schiemenz kommen, Fotos machen und Mrose sowie die Politiker/innen auf den textilen Fauxpas aufmerksam machen, nur um dann festzustellen, dass hier gar nichts gemacht wird, weil man ja die schöne Veranstaltung nicht stören wolle.

Erst am Montag mussten die neun Groß Gaglower beim Cottbusser Ordnungsdezernat antanzen. Die Konsequenzen: Polohemden her, Fünf-Punkte-Erklärung unterschreiben, dass man nicht rechtsradikal ist, Hinweis, sich doch mal an der Vorbereitung eines Einwandererfestes zu beteiligen und Erwägung, zukünftig deutsche Geschichte in den Lehrplan für Feuerwehrmänner aufzunehmen.
Das Ermittlungsverfahren wegen Zeigens verfassungswidriger Zeichen wurde fallengelassen und der tapfere Herr Schiemenz, der jetzt verbieten lassen will, dass Feuerwehrmänner öffentlich getragene T-Shirts bedrucken lassen können, kann sich jetzt den Vorwurf gefallen lassen, man hätte das ja jetzt nicht so aufbauschen müssen, schließlich seien die betroffenen Feuerwehrmänner schon immer faire und kameradschaftliche Gesellen gewesen und sowieso noch nie unangenehm aufgefallen.

Folgende Fragen hätte ich dann doch gern noch beantwortet:

  • Sollte angesichts der schlimmen bildungstechnischen Gesamtsituation nicht erwogen werden, deutsche Geschichte in ALLE Brandenburgischen Lehrpläne, nicht nur die der Feuerwehr aufzunehmen?
  • Wo kam überhaupt dieser Spruch her? Aus dem Lexikon, dem Internet, dem Fernsehen? Da man aufgrund des geringen IQ’s nicht davon ausgehen kann, dass die sich das tatsächlich aus dem EIGENEN GEDÄCHTNIS geschraubt haben, müssen sie es sich doch irgendwo hergeholt haben. Und sowas steht doch nicht kontextlos irgendwo auf einer Milchtüte gedruckt!
  • Ist man selbst und sind alle anderen rechtsRADIKAL, wenn man sowas unbehelligt drucken lässt und zwei Jahre lang damit rumlaufen kann oder sind einfach alle Menschen ein bisschen rechts, sodass der Durchschnitt nach oben anzieht und damit auch die Wahrnehmung?
  • Was zur Hölle ist ein Einwandererfest, an dessen Vorbereitung man sich ja mal beteiligen könne?
  • Und hat Brandenburg wirklich so wenig zu bieten, dass der Abbruch eines schönen Feuerwehrfestes gleich einen Volksaufstand oder zumindest todesnahe Langeweile heraufbeschwören täte?
  • T-Shirt-Bedrucken verbieten? Häh?

Hallo, guten Morgen, Deutschland, wie Horst Evers immer so schön sagt.

[All the weird facts once again here.]

Dear catastrophe railway

Ich war zwar noch nie in Neu Delhi, Shanghai, Bombay oder Manhattan, kann mir aber vorstellen, dass verkehrliche Verhältnisse wie in ebenjenen Städten ab Montag auch Berlin herrschen - und das alles für umsonst und ohne fliegen! Denn nicht nur la Drecks-BVG, die Wichser mit den weltunfreundlichsten, englischunmächtigsten Kontrolleuren, die Drecks-BVG, die seit Monaten nur noch mit halb so langen U-Bahnen fährt, an Umsteigebahnhöfen noch nie Fahrplanabstimmungen hinbekommen hat, nie ansagt, warum jetzt eigentlich kein Zug kommt, die Bahn mitten auf der Strecke stehen geblieben ist oder ähnliches, und wenn doch dann grundsätzlich in Zimmerlautstärke in eben dem Moment, in dem eine andere U-Bahn einfährt, und deren Fahrer immer so schön brüllaffenmäßig durch den Bahnhof einwortsatzen, dass man “MitFahrradnichinerstenWagen” schieben soll, nicht nur die Drecks-BVG also bestreikt ab morgen berlinweit ihre Transportwege für zehn Tage, nein, auch die GDL hat Neuigkeiten aus dem Hauptquartier:

Die Bahn steht vor einem neuen Arbeitskampf - unbefristet und in allen Sparten. Die Lokführergewerkschaft GDL ruft nach dem Scheitern der Tarifverhandlungen zum Arbeitskampf ab Montag auf.

Ab Montag ist Berlin Bus-, Straßen-, U-, S- und Regionalbahnfrei! Wahnsinn!

Gott sei Dank tut Blödheit nicht weh, sonst wäre es ganz schön laut hierzulande

Mein Kleinkrieg mit StudiVZ geht in die nächste Runde. Das die auch immer so einen Blödsinn verzapfen müssen. Originalauszug aus dem heutigen Interview von SPIEGEL Online mit StudiVZ-Geschäftsführer Marcus Riecke:

SPIEGEL ONLINE: Konkret: Zu Ihnen kommt ein Staatsanwalt mit 30 Fotos aus StudiVZ-Profilen, die Leute anscheinend beim Kiffen zeigen. Er verlangt Klarnamen zu den Profilen und allen Kommentaren. Was machen Sie?

Riecke: Gott sei Dank dürfen wir bei Ermittlungsersuchen solche Daten nun herausgeben. Nutzungsdaten speichern wir bei allen Nutzern, die uns das erlaubt haben durch ihre Einwilligung.

SPIEGEL ONLINE: Wie viele sind das?

Riecke: Sehr viele. Weit über 90 Prozent.

Which means, ihr Partypeople, die ihr immer noch einen Account habt: Supergeile Wasserpfeifenfotos zu veröffentlichen, um eure Freunde und deren kleine Schwestern zu beeindrucken, geht nicht mehr. Denn dann stehen morgen vielleicht schon die Feldjäger vor der Tür und nehmen euch und eure Festplatten mit. Da können wir ja froh sein, dass Alkohol noch nicht strafbar ist, sonst sähe die Netcommunity aber schön alt aus.

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