Gewonnen!

Jaaaaa! Ich hab gewonnen! Noch nie hab ich was gewonnen - außer das eine Mal, als ich elf war und für den Malwettbewerb auf der Kinderseite in einer der Klatschzeitungen, die meine Mutter immer las, einen Hasen malte mit Buntstiften in verschiedenen Brauntönen. Mein Gewinn war ein Tierbuch - “Die Tiere zuhause” - und da stand alles drin über Hunde und Katzen und Fische und ihre Haltung und Pflege. Etwa alle drei Wochen bin ich dann im nächsten Jahr regelmäßig zu meinen Eltern gegangen und wollte sie mit fachkundigen Argumenten zu einem Goldhamster, Aquarium, Wellensittich, aber am allerliebsten einem Hund überreden. Natürlich hab ich nichts davon bekommen.

Aber zurück zu meinem Gewinn. Ein liebliches Paket mit liebevoll hergestellten Kleinigkeiten von Frau Liebe - meiner Lieblingsnäh- und bastelbloggerin - das ist es geworden. Frau Ana ruft “danke!” und der Kerl grinst und meint: “Das ist ja eine richtige Parallelgesellschaft, die ihr da pflegt.”

Das macht Spaß

Süße, saftige Kirschen essen zum Beispiel, die die Eltern ihrer Tochter aus dem sonnigen Kleinstadtgarten in die staubige Großstadt mitgebracht haben.

Und schenken macht auch Spaß, zum Beispiel einen selbstgemachten “Fanny Pack Friend” für Frau N. zum Geburtstag und eine winzige Reißverschlusstasche für Frau G. zum kleinen Geburtstag, denn die beiden sind zwar keine Schwestern, aber fast, denn wer sich so treu beiseite steht und das schon seit Jahren, der sticht sogar die Blutsverwandtschaft aus.

Prüfungen bestehen macht auch Spaß. Weil damit nicht nur 25% des Studiums geschafft sind, sondern auch, weil die Dozentinnen Frau Anas Babybauch gesehen und ihr für die einstündige mündliche Abschlussprüfung in germanistischer Literaturwissenschaft eine 2,3 gegeben haben. Und auch wenn Frau Ana den Babybonus gar nicht wollte [weil den keiner wollen würde, wenn es nur um das hartnäckige Gerücht geht, dass Kugelbäuchlerinnen anfangen zu heulen, wenn sie eine schlechte Note kriegen], war dann aber doch überrascht, dass die Begründung ganz anders war: Eine “hundertprozentige Fokussierung” sei durch den Zustand schließlich nicht möglich gewesen, aber “sie wüssten ja“, dass Frau Ana unter anderen Umständen zu “noch mehr fähig gewesen” wäre. Bloß gut, dass ich auf die Art vertuschen konnte, dass ich eigentlich ja ständig mittelmäßig bin.

Die Südländer schon wieder

Just an dem Tag, an dem bekannt wurde, dass die Auszeichnung Bibliothek des Jahres 2008 an die Bayerische Staatsbibliothek geht [nämlich heute und ganz zurecht, denn die BSB kann zweifelsohne mit hervorragendem Bestand, Online-Umsetzung und Benutzerfreundlichkeit aufwarten], habe ich das BAM-Portal [Portal für Bibliotheken, Archive und Museen in Deutschland] entdeckt.

In diesem sehr feinen, auf Initiative eines weiteren südlichen Bundeslandes, in diesem Fall Baden-Württemberg, erstellten Portals, werden die vollständigen bibliographischen Daten der Bestände der angeschlossenen Einrichtungen fachgerecht präsentiert, inklusive der Links “zu den Digitalisaten der Museumsobjekte, Archivalien und Bibliothekstitel“.

Wenn ich also Interesse daran habe herauszufinden, wo der Nachlass von Friedrich Schleiermacher liegt, welche Bibliothek Sekundärtexte über sein Leben und Werk beherbergt, in welchem Archivschrank seine Briefkorrespondenz mit Landgraf Ludwig X. lagert und welches Stadtmuseum ein Portrait von ihm als Lithographie im Bestand hat, bin ich hier richtig.

Das Interface sieht schön aus, ist höchst benutzerfreundlich, der Content stimmt und auch die angebundenen Bibliotheken, Archive und Museen, die in einem separaten Fenster mit dem vollständigen Nachweis des Gesuchten auf ihrer eigenen Seite aufpoppen, scheinen ihre Hausaufgaben gemacht zu haben. Kurzum: Vorbildlich!

Da lacht des Herz der Bibliothekswissenschaftlerin, auch wenn sie aus Preußen kommt.

Beim Zappen ertappt

Worauf man nicht so alles trifft, wenn man die großartige Erfindung Videotext nutzt. Dass die TED-Frage täglich gestellt wird, mag ihren dämlichen Grundcharakter erklären. Die an Wahnsinn grenzende Willkürlichkeit der Antwortenauswahl wundert zwar nicht, ist aber zumindest für einen Lacher gut. Was einem den Mund offen stehen lässt, ist allerdings die Chuzpe mit der überhaupt nicht versucht wird zu vertuschen, dass ehrlich KEINE SAU anruft.

Kalter Hund

So nannte man in der DDR eine Mélange aus Butterkeksen und Schokocreme, das billigste Leckerli für Kinder, das es auf Erden gibt, und das gab es eben immer, wenn Kindergeburtstag oder Oma-Geburtstag war, damals in der DDR. Da sah das aber auch irgendwie noch anders aus - fest und stattlich in eine Aluminiumrechteckbackform gepresst, ohne Rücksicht auf Verluste und nach dem Abkühlen in Scheiben geschnitten, dafür aber ohne Streusel. Na, ich übe ja noch.

Das Rezept habe ich in meinem ersten Kochbuch “Lirum Larum Löffelstiel” wiedergefunden. Sozialistische Pädagogik galore, denn man muss Mutti helfen, sich gesund ernähren, damit man auch als Erwachsener im Kampf gegen den Klassenfeind zur Verfügung stehen kann, und wirklich alle Rezepte bestehen aus den absoluten Basic-Zutaten wie Kartoffeln, Mehl und Eiern. Die Versorgung, zumindest mit ersterem, war - wie ich erzählt bekam - zwar in so manchen Jahren im Spätwinter, so kurz vor den Frühkartoffeln auch nicht mehr ganz gewährleistet, aber so theoretisch war das ein immer in Massen verfügbares Lebensmittel.

Das Rezept geht übrigens so:

  • 150 g Kokosfett [heißt heute in modern Palmfett] flüssig machen auf dem Herd und träufeln lassen in eine Masse aus:
  • 65 g Zucker
  • 1 EL entöltem Kakao
  • und einem Ei

Schön rühren! Dann entweder schichten mit Butterkeks in einer rechteckigen Backform oder Prinzenrollenmäßig einstreichen und stapeln.

Nicht backen, sondern kalt stellen!

Wie gesagt, ich übe ja noch. Nächstes Mal wird es dann mehr Zucker und eher so Schokoladen-Doppelkekse, weil diese Silikonbackform überhaupt keinen Halt für dieses Vorhaben bietet.

Holy Schwede

Da habe ich mich gestern zur Prüfung angemeldet und abgesehen davon, dass es jetzt kein Zurück mehr gibt, dachte ich auch, zur Feier des Tages gönne ich mal was, nämlich dem Kind, und gehe Strampler kaufen. Ist ja doch bloß der billige Schwede, aber so süüüß!

Auf dem Weg nach Hause sah ich dann das Resultat, ausnahmsweise romantischer Stadtguerilla, und zwar eine Fahrradampel an der Ecke Blücher/Baerwald, die mich rot anleuchtete und ich erst nach einer Dös-Sekunde mitkriegte: Das is ja ein Herz! Da hatte jemand einen Kreis aus schwarzer Folie ausgeschnitten und in der Mitte auch gleich noch eben die Herzform. So wie hier und da hab ich dann auch gesehen, dass ich nicht die Erste bin, die das ganz herzallerliebst findet. Müsste man in der ganzen Stadt machen, dann gäbe es, glaube ich, mehr Liebe auf den Straßen, denn obwohl die Berliner wenigstens zügig fahren [nicht so wie die Potsdamer, die ganz augenscheinlich denken, sie befänden sich trotz Landeshauptstadtstatus und Riesenmengen an Touristen immer noch in der DDR oder wenigstens auf dem Dorf oder in der Sommerfrische], machen sie doch teilweise überdurchschnittlich zu oft Gebrauch von ihrer Hupe, unterdurchschnittlich zu selten dafür aber von ihrem Blinker oder waghalsige Überholmanöver zehn Meter vor der Ampel, um doch Erster an derselbigen zu sein. Kann ich übrigens immer nur Berliner Männern beobachten, die Frauen fahren wie alle geschlechtsunabhängigen Potsdamer.

Als ich dann zuhause war, schüttete ich die bedruckte Plastiktüte des billigen Schweden [dank Sale sogar noch billiger!] auf dem Wohnzimmerteppichboden aus und hielt hellblaue Jäckchen und Igelbedruckte Bodies gegen den Bauch. Kannste dir das vorstellen?, fragte ich den Kerl, und der sagte nur: Musste andersrum halten, schließlich liegt er kopfüber. Recht hat er, der alte Pragmatiker!

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