Innsbrucker Zeitungsarchiv

Der Linktipp für heute: Innsbrucker Zeitungsarchiv zur deutsch- und fremdsprachigen Literatur : Medienarchiv und Forschungseinrichtung für Literaturkritik, Literaturvermittlung und Rezeptionsforschung.

Gerade lese ich nämlich [fast] alles zum feuilletonistischen Literaturskandal des Jahres 2002. Der Walser und sein angeblich antisemitischer Kritikerroman. Und im Innsbrucker Zeitungsarchiv findet man wirklich verdammt viel dazu. Das Handling könnte noch verbessert werden:

  • Die Codierung in Frames erschließt sich nicht. Erstens sind die Frames fest und lassen sich vom User nicht verschieben, was bedeutet, dass in der linken Spalte teilweise Content abgeschnitten wird. Zweitens erinnert das sehr an Pages von Editionsprojekten, die auch immer dazu tendieren, so zu codieren, dass zwar der fachliche Rahmen gewahrt bleibt, kein Normalsterblicher aber weiß, wie er sich zu orientieren hat: Welcher Frame hängt mit welchem zusammen? Was passiert, wenn ich einen Link anklicke, der im horizontalen unteren Frame steckt? Verändert sich dann der Content im mittleren großen Frame? Wie komme ich wieder zurück zum ursprünglichen Ort?
    Seiten, für die man erst einen Navigationsplan lesen oder die “Hilfe”-Seite anklicken muss, haben eigentlich schon fast verloren.
  • In den Listenansichten im mittleren Frame sind nur die Schlagwörter farblich gekennzeichnet, der Rest ist eine Soße. Ab und zu Fettdruck, z.B. um den Namen der Zeitung vom Datum abzuheben, hätte nicht geschadet. Auch erschließt sich nicht, warum z.B. die extragenaue Angabe des Ressorts, auch noch in Verbindung mit einer Hauptkategorie (Meinung: Kommentar, Besprechung: Hörbuch, Nachricht: Kurznachricht etc.) überhaupt einen Platz in der Listenansicht verdient hat oder nicht zumindest eine Schriftgröße kleiner hätte sein können, da erstens sowieso kaum einer mehr als zehn Ressorts aufzählen kann, und das zweitens selten eine Angabe von Interesse ist, zumal die Anzahl der Wörter dabei steht.
  • Völlig undurchsichtig ist die Suche. Warum erhalte ich eine endlose alphabetisch geordnete Ergebnisliste wenn ich “Tod eines Kritikers” oder Martin Walser, selbst in Anführungsstrichen eingebe? Die Anführungsstriche schließen aus, dass jedes Wort gesucht wird und wenn man sich die Liste näher anschaut, sieht man auch, dass die Ergebnisse weit mehr Wörter enthalten, als die, die man eingegeben hat. Einzige Erklärung: Die exakten Treffer stehen ganz oben, darunter kommen alle verwandten Schlagwörter, bei “Martin Walser” also eine Auflistung aller vergebenen Namen. Neben der Frage “Warum?”, wäre das ja fast ein Armutszeugnis für den mangelnden Content, denn sooo lang ist die Ergebnisliste nun auch nicht.

Sei es drum. Denn ich finde trotz allem, dass die Macher des Innsbrucker Zeitungsarchivs auf einem guten Weg sind. Hervorragender Content, sehr gute PDF-Qualität, vieles kostenlos und wenn gegen Geld, dann nicht teuer.

Eine ganz neue Erfahrung

Heute lasse ich nämlich arbeiten.

So ein bald nahender Mutterschutz hat wahrlich seine Vorteile. Man setzt sich hin, erzählt einem anderen, wie man selbst in den letzten fast zwei Jahren gearbeitet und alles organisiert hat, und der andere muss ja auch was lernen, also zeigt man Dinge einmal und sagt dann den schönen Satz: “Jetzt mach du mal den Rest und wenn du fertig bist, sagst du Bescheid.”

Herrlich! Vor allem, weil das alles sehr nach Bossinen-Verhalten klingt, ich aber sonst gar nicht das Arbeitspensum einer Bossin habe, denn wie gesagt, geh ich ja bald in den Mutterschutz und hab dann erstmal nix zu tun außer Eis essen, Füße hochlegen und warten, dass mein Kind raus will.

Mind Map 6.0

Thema: Heinrich Heine “Romanzero. Drittes Buch. Hebräische Melodien” [1851]

Die Kette der Peinlichkeiten

Hier passt mal der durch die NEON zum geflügelten Satz avancierte Ausspruch: “In was für einem Land leben wir eigentlich?!”

Vor zwei Jahren entscheiden sich 9 Feuerwehrmänner aus Groß Gaglow bei Cottbus nach einer Feuerwehrübung, auf die Polohemden, die sie bei Feuerwehrübungswettkämpfen im Umland als Zeichen der Zusammengehörigkeit tragen wollen, den Spruch, den Hitler 1938 in einer Rede an seine HJ richtete, zu drucken:

Flink wie die Windhunde, zäh wie Leder, hart wie Kruppstahl.

Weil man ja auch selber flink, zäh und hart sei, das passt ja dann. Von Hitler hatte man wahrscheinlich schon mal was gehört, aber wahrscheinlich in ganz anderen Kontexten auf dem Brandenburgischen Dorffest, wo die NPD ihren Sonnenschirmstand hatte.

Das ist dumm, aber gegen Dummheit kann man eben selten etwas machen, außer vielleicht lesen oder in der Schule aufpassen oder so. Und außerdem ist es auch nur die Ausgangslage, an der sich die erwähnte Kette der Peinlichkeiten erst auffädelte und die ganz schön viele Glieder hat.

Gemerkt hat nämlich niemand was. Weder Verwandte, Bekannte, Freunde oder Wettkampfkollegen, die wahlweise den Feuerwehrmännern, die Polohemden tragend, im Wettkampf gegenüberstanden, als Publikum zugegen waren, die besagten Polohemden in der Waschmaschine wuschen, sie aufhängten, auf der Wäscheleine im Garten baumeln sahen oder irgendwie anderweitig diese Polohemden zu Gesicht bekamen, wohlgemerkt zwei Jahre lang. Ich weiß zwar nicht, wie oft solche Feuerwehrübungswettkämpfe durchschnittlich pro Jahr stattfinden, man kann aber sicherlich davon ausgehen, dass ein paar Hundert Leute diesen Aufdruck erblickten, ohne dass auch nur einer wenigstens stutzte.

Gemerkt hat auch keiner was auf dem Feuerwehr-Wettbewerb in Lübbenau am letzten Wochenende, jedenfalls weder der verantwortliche Feuerwehrleiter Manfred Mrose, noch eine der 27 anderen Mannschaften, noch einer der einigen hundert Zuschauer, noch die Herren und Damen Landtagsabgeordnete Schippel [SPD] und Schier [CDU]. Da musste erst der Lübbenauer Pressesprecher Hans-Joachim Schiemenz kommen, Fotos machen und Mrose sowie die Politiker/innen auf den textilen Fauxpas aufmerksam machen, nur um dann festzustellen, dass hier gar nichts gemacht wird, weil man ja die schöne Veranstaltung nicht stören wolle.

Erst am Montag mussten die neun Groß Gaglower beim Cottbusser Ordnungsdezernat antanzen. Die Konsequenzen: Polohemden her, Fünf-Punkte-Erklärung unterschreiben, dass man nicht rechtsradikal ist, Hinweis, sich doch mal an der Vorbereitung eines Einwandererfestes zu beteiligen und Erwägung, zukünftig deutsche Geschichte in den Lehrplan für Feuerwehrmänner aufzunehmen.
Das Ermittlungsverfahren wegen Zeigens verfassungswidriger Zeichen wurde fallengelassen und der tapfere Herr Schiemenz, der jetzt verbieten lassen will, dass Feuerwehrmänner öffentlich getragene T-Shirts bedrucken lassen können, kann sich jetzt den Vorwurf gefallen lassen, man hätte das ja jetzt nicht so aufbauschen müssen, schließlich seien die betroffenen Feuerwehrmänner schon immer faire und kameradschaftliche Gesellen gewesen und sowieso noch nie unangenehm aufgefallen.

Folgende Fragen hätte ich dann doch gern noch beantwortet:

  • Sollte angesichts der schlimmen bildungstechnischen Gesamtsituation nicht erwogen werden, deutsche Geschichte in ALLE Brandenburgischen Lehrpläne, nicht nur die der Feuerwehr aufzunehmen?
  • Wo kam überhaupt dieser Spruch her? Aus dem Lexikon, dem Internet, dem Fernsehen? Da man aufgrund des geringen IQ’s nicht davon ausgehen kann, dass die sich das tatsächlich aus dem EIGENEN GEDÄCHTNIS geschraubt haben, müssen sie es sich doch irgendwo hergeholt haben. Und sowas steht doch nicht kontextlos irgendwo auf einer Milchtüte gedruckt!
  • Ist man selbst und sind alle anderen rechtsRADIKAL, wenn man sowas unbehelligt drucken lässt und zwei Jahre lang damit rumlaufen kann oder sind einfach alle Menschen ein bisschen rechts, sodass der Durchschnitt nach oben anzieht und damit auch die Wahrnehmung?
  • Was zur Hölle ist ein Einwandererfest, an dessen Vorbereitung man sich ja mal beteiligen könne?
  • Und hat Brandenburg wirklich so wenig zu bieten, dass der Abbruch eines schönen Feuerwehrfestes gleich einen Volksaufstand oder zumindest todesnahe Langeweile heraufbeschwören täte?
  • T-Shirt-Bedrucken verbieten? Häh?

Hallo, guten Morgen, Deutschland, wie Horst Evers immer so schön sagt.

[All the weird facts once again here.]

Mind Map 5.0

Thema: Wilhelm Hauff “Der Zwerg Nase” [1826]

Damit ich nie wieder überlegen muss

Nämlich, dass es “No rain” von Blind Melon war, das ich 1993 richtig geil fand. Google ist auch super: “ninetees pop song video girl dressed like a bee”. Und? Treffer Nr. 3!

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