Wir auch bald

Nämlich Eltern. Und ich musste ein bisschen lachen, als ich diesen im Wahn verfassten Text gerade entdeckte und feststellen musste, dass ich auch in der Nochnichtelternretro- und Baldaberperspektive noch genauso denke über den beschriebenen Nachmittag. Mit dem Hinweis: Nur Mama und Papa, das geht nicht. Vielmehr - und hier verweise ich auf die kluge, Humor mitnichten entbehrende Feststellung der Herren KatzundGoldt - “Wenn man neue Leute kennen lernen will, muss man ab einem gewissen Alter welche gebären.” Merke: Aber auch neue Leute sollten trotz ihrer Neuartigkeit nicht zum permanenten Gesprächsthema permutieren.

Eigentlich outet man sich ja als asoziales Arschloch, wenn man über sogenannte Kleinfamilien lästert. Hast ja wohl zu heiß geduscht, denn wer steckt das schon so einfach weg? Diese Belastung! Die Schlaflosigkeit! Und erst recht - der gesellschaftliche Nutzen, zu dem Reproduzierwillige beitragen! Dennoch… gestern im Wohnzimmer einer mittelgroßen deutschen Stadt: eine werdende, zwei richtige Mütter, zwei Väter, drei Kinder zwischen 1/2 und 5 und mittendrin ich, und wer sagt, das ist doch alles ganz idyllisch, anstrebsam auch, den frag ICH jetzt mal, ob er nicht zu heiß geduscht hat. Ja, wir hatten alle mal Einsen, ein eigenes Leben, Hobbies sogar, oder Freizeitbeschäftigungen oder wie man das nennt. Und wenn dann the whole human interaction nur noch aus Häschen hüpf, quadratischen, mit Plastik überzogenen Bilderbüchern, Blinkerklapperwertvollspielzeug, Arschmüffelfaktor (Zum Herausfinden der Windelwechselnotwendigkeit wird das ganze Kind nach oben gehalten, auf das die Kinderrückseite sich im eigenen Gesicht befindet und erschnüffelt werden kann.), außerdem Fieber, Halsentzündungen, und Anekdoten, ja Anekdoten, besteht, dann weiß ich nicht, ob mein amüsiertes Grinsen echt oder so gefakt ist, dass ich es nicht mal merke, und eigentlich tausche ich tausend hektisch, kaltneblig, (natürlich) auf dem Balkon gerauchte Kippen gegen DAS HIER.

Nicht, dass da irgendwas schlimm dran wäre, Kinder und Familie und so. Nein, nein, das weise ich von mir. Die Lebensmodellverteilung ist vielmehr das, was mir Sorge bereitet. Die Lifestyleantikinderlobby bleibt schön unter sich und die anderen eben auch. Das schlägt sich alles auf die Kommunikation nieder, und das mag Sinn ergeben, auch Kinderhasser und Verweigerer der Weitergabe genetischen Materials sind Menschen, und das habe ich an meinem gestrigen Fasteinnicken im Kreise elternkompatibler Gesprächsthemen und ständig auf hohen Frequenzen dazwischen brüllenden Kinderstimmen feststellen können. Ja ja, selbstverständlich nehme ich aus dem Humanargument die ErzeugerInnen nicht raus. Der Wortschatz mag geschrumpft, oder sagen wir, der übliche Wortschatz ein Sabbatical genommen haben, aber wenn man ganz genau die Ohren spitzt und sich immer das Bild der studierten, vor der Turmbühne Substanzen ausschwitzenden Muttermilchkuh vor Augen hält, blitzt irgendwo der NichtnurfürsorgerIn-Zustand durch. Das kann auch nicht gesund sein, nur Spinat und Kindergarten und Rotzbälger, die erst dann aufhören “Mutti” wie ein Mantra vor sich her zu stammeln, bis man aufschreit “WAS DENN?!”.

Comments

Got something to say?