Die Frau, das Kind, der Hund und ein Brief von der Bank

Das ist super:

Die Stuttgarter Volksbank hat einer Kundin eine Rechnung für Reinigungskosten geschickt. Aufgrund der Videoüberwachung sei festgestellt worden, dass es bei ihrem Besuch zu einer Verunreinigung gekommen sei. Nun ermittelt der oberste Datenschützer.

Die Verunreinigung, das war ein Hundehaufenrest am Schuh der Tochter der Kundin, und der Artikel, der ist aus der Stuttgarter Volkszeitung. Und was nicht in Ordnung war, das war die Auswertung der Videobänder des Geldautomatenbereichs durch die Bank und die anschließende Überprüfung der Abhebevorgänge zu diesem Zeitpunkt, die es möglich machte, den Namen der Kundin herauszufinden, um ihr das Wischen eines Fliesenbodens in Rechnung zu stellen.

Ganz schön dreist, oder? Nicht nur der vehemente Verstoß gegen den Datenschutz, ich meine, wo kommen wir denn da hin, wenn man heute nicht mal mehr in Ruhe Pfützendreck in ein öffentlich zugängliches Gebäude tragen darf, ohne überwacht und überführt zu werden? Was mich auch wundert, ist, wieso man für das Säubern eines abwischbaren Filialbodens einen “Meister/Obermonteur” braucht, der glatt “eine Stunde” für die Prozedur benötigt, und warum der - in Gottes Namen - “52,96 EUR” Stundenlohn bekommt. So hoch ist nämlich die Rechnung, die der armen Kundin nach dem Fehltritt ihrer Tochter zugesendet wurde. Eine polnische Putzfrau hätte das bestimmt schneller hingekriegt, und auch nur ein Zehntel des Geldes dafür verlangt. Und was es erst an Humanressourcen gekostet haben muss, diese Reihe aus Huch-der-Bankboden-ist-dreckig, Wer-war-das, Wir-nicht-aber-wir-haben-hier-auch-keine-randalierenden-Jugendlichen-schließlich-
sind-wir-nicht-in-Kreuzberg-du-Muschi, Dann-lass-uns-die-Videobänder-checken, Wollen-wir-Pizza-bestellen, Da-ist-was, Bloß-gut-dass-wir-noch-nicht-haben-wischen-lassen-
so-können-wir-das-Verschmutzungsmuster-auf-dem-Band-mit-dem-auf-dem-Boden-vergleichen.

Tja, aber in Degerloch ist die Welt halt noch in Ordnung. Da haben wir keine polnischen Zwangsarbeiter, sondern Schwaben, viel Zeit, Vollbeschäftigung und glückliche Menschen mit Carport und Reihenhäusle. Ein bisschen wünsche ich mir ja sowas, also Videoüberwachung, auch für meinen Hausflur in Kreuzberg, du Muschi, weil der immer offen steht, und nicht nur Junks sich da ihre Spritzen setzen und Sautürkenjugendliche wahlweise rauchen und ihre Kippen fallenlassen oder ihre E-Mail-Adresse an die Wand taggen, sondern auch weil alle zwei Monate jemand in den Hausflur kackt und dann wieder rausgeht, ohne aufzuwischen. Unsere männliche, nichtpolnische Ein-Euro-Putzkraft würde sich bestimmt auch schwer freuen, irgend jemandem [wer kackt denn in den Hausflur fremder Leute?!?!] beim Saubermachen zuzusehen und am Ende die Hand aufzuhalten und zu sagen: “75 Cent bitte”.

This world is crazy.

Comments

2 Responses to “Die Frau, das Kind, der Hund und ein Brief von der Bank”

  1. fäb on February 6th, 2008 11:22 am

    Für 52,96 Euro in der Stunde wische ich den Boden mit meinen Haaren auf. Und bedanke mich hinterher noch dafür.

  2. Ana Mos on February 6th, 2008 3:57 pm

    vielleicht sind die reinigungsmittel mit goldstaub versetzt. ist ja immerhin eine bank…

Got something to say?