Gott sei Dank tut Blödheit nicht weh, sonst wäre es ganz schön laut hierzulande
Mein Kleinkrieg mit StudiVZ geht in die nächste Runde. Das die auch immer so einen Blödsinn verzapfen müssen. Originalauszug aus dem heutigen Interview von SPIEGEL Online mit StudiVZ-Geschäftsführer Marcus Riecke:
SPIEGEL ONLINE: Konkret: Zu Ihnen kommt ein Staatsanwalt mit 30 Fotos aus StudiVZ-Profilen, die Leute anscheinend beim Kiffen zeigen. Er verlangt Klarnamen zu den Profilen und allen Kommentaren. Was machen Sie?
Riecke: Gott sei Dank dürfen wir bei Ermittlungsersuchen solche Daten nun herausgeben. Nutzungsdaten speichern wir bei allen Nutzern, die uns das erlaubt haben durch ihre Einwilligung.
SPIEGEL ONLINE: Wie viele sind das?
Riecke: Sehr viele. Weit über 90 Prozent.
Which means, ihr Partypeople, die ihr immer noch einen Account habt: Supergeile Wasserpfeifenfotos zu veröffentlichen, um eure Freunde und deren kleine Schwestern zu beeindrucken, geht nicht mehr. Denn dann stehen morgen vielleicht schon die Feldjäger vor der Tür und nehmen euch und eure Festplatten mit. Da können wir ja froh sein, dass Alkohol noch nicht strafbar ist, sonst sähe die Netcommunity aber schön alt aus.
Neues aus der bunten lustigen ebay-Welt
Besonders gern amüsiere ich mich ja über menschliche Unzulänglichkeiten wie Rechtschreibschwächen, Übergewicht und andere selbstverschuldete Unmündigkeiten, und heute haben wir mal wieder ein besonders schönes Exemplar aus dieser Gattung gefunden:

Na, wo ist der Fehler?
Richtig! Der aufmerksame Leser fragt sich natürlich: “Was ist ein besch?”
“Beschissene” Shorts, aber ich schreibe es nicht aus, damit man es nicht merkt? Bescheiden? Beschnitten? Ja, was denn nun?
Schaut man sich an, was die ebay-Neuankömmlingin noch so verkauft, stößt man auf das hier und plötzlich fällt es einem wie Schuppen von den Augen!

Na? Na?
Klar!
“Besch” ist beige! Und erhärtet wird diese These eindeutig durch die Artikelbeschreibungstabelle unter dem ebay-Header. Da steht nämlich in beiden Fällen neben Größe, Material usw. “Farbe: beige”.
Ich habe jetzt noch nicht halb so viel auf ebay VER- wie GEkauft, glaube mich aber daran zu erinnern, dass man die Angaben aus der Beschreibung manuell anklicken muss, also welche Größe, Scrolldown, Klick, welche Farbe, Scrolldown, Klick usw.
Man stelle sich also vor, dass dieses Mädchen zuhause sitzt, die Farbe mit der richtigen Schreibweise anklicken muss und ihre Überschrift dann trotzdem so stehen lässt: “Ach, so wird ‘beige’ geschrieben? Mir doch egal!”.
Ohne ebay wäre die Welt doch ein bisschen farbloser.
Die Frau, das Kind, der Hund und ein Brief von der Bank
Das ist super:
Die Stuttgarter Volksbank hat einer Kundin eine Rechnung für Reinigungskosten geschickt. Aufgrund der Videoüberwachung sei festgestellt worden, dass es bei ihrem Besuch zu einer Verunreinigung gekommen sei. Nun ermittelt der oberste Datenschützer.
Die Verunreinigung, das war ein Hundehaufenrest am Schuh der Tochter der Kundin, und der Artikel, der ist aus der Stuttgarter Volkszeitung. Und was nicht in Ordnung war, das war die Auswertung der Videobänder des Geldautomatenbereichs durch die Bank und die anschließende Überprüfung der Abhebevorgänge zu diesem Zeitpunkt, die es möglich machte, den Namen der Kundin herauszufinden, um ihr das Wischen eines Fliesenbodens in Rechnung zu stellen.
Ganz schön dreist, oder? Nicht nur der vehemente Verstoß gegen den Datenschutz, ich meine, wo kommen wir denn da hin, wenn man heute nicht mal mehr in Ruhe Pfützendreck in ein öffentlich zugängliches Gebäude tragen darf, ohne überwacht und überführt zu werden? Was mich auch wundert, ist, wieso man für das Säubern eines abwischbaren Filialbodens einen “Meister/Obermonteur” braucht, der glatt “eine Stunde” für die Prozedur benötigt, und warum der - in Gottes Namen - “52,96 EUR” Stundenlohn bekommt. So hoch ist nämlich die Rechnung, die der armen Kundin nach dem Fehltritt ihrer Tochter zugesendet wurde. Eine polnische Putzfrau hätte das bestimmt schneller hingekriegt, und auch nur ein Zehntel des Geldes dafür verlangt. Und was es erst an Humanressourcen gekostet haben muss, diese Reihe aus Huch-der-Bankboden-ist-dreckig, Wer-war-das, Wir-nicht-aber-wir-haben-hier-auch-keine-randalierenden-Jugendlichen-schließlich-
sind-wir-nicht-in-Kreuzberg-du-Muschi, Dann-lass-uns-die-Videobänder-checken, Wollen-wir-Pizza-bestellen, Da-ist-was, Bloß-gut-dass-wir-noch-nicht-haben-wischen-lassen-
so-können-wir-das-Verschmutzungsmuster-auf-dem-Band-mit-dem-auf-dem-Boden-vergleichen.
Tja, aber in Degerloch ist die Welt halt noch in Ordnung. Da haben wir keine polnischen Zwangsarbeiter, sondern Schwaben, viel Zeit, Vollbeschäftigung und glückliche Menschen mit Carport und Reihenhäusle. Ein bisschen wünsche ich mir ja sowas, also Videoüberwachung, auch für meinen Hausflur in Kreuzberg, du Muschi, weil der immer offen steht, und nicht nur Junks sich da ihre Spritzen setzen und Sautürkenjugendliche wahlweise rauchen und ihre Kippen fallenlassen oder ihre E-Mail-Adresse an die Wand taggen, sondern auch weil alle zwei Monate jemand in den Hausflur kackt und dann wieder rausgeht, ohne aufzuwischen. Unsere männliche, nichtpolnische Ein-Euro-Putzkraft würde sich bestimmt auch schwer freuen, irgend jemandem [wer kackt denn in den Hausflur fremder Leute?!?!] beim Saubermachen zuzusehen und am Ende die Hand aufzuhalten und zu sagen: “75 Cent bitte”.
This world is crazy.




