Tag der Bibliotheken

Jetzt bin ich nicht besser, als all die Idioten, die im Radio zwar die Neueröffnung der Anna-Amalia-Bibliothek angekündigt, aber völlig unter den Tisch haben fallen lassen, dass der 24. Oktober auch Tag der Bibliotheken ist. Und ich bin deshalb nicht besser, weil ich gestern [also heute] keine Zeit hatte, und deshalb diesen Post VORdatiere, damit ich so tun kann, als wäre heute gestern. Das ist fast so gut, wie der von Horst Evers erfundene Bäckerei-Dialog: “Hallo, ich hätte gerne schon heute für morgen ein Brot von gestern!”

Jedenfalls, Tag der Bibliotheken. Was soll man noch sagen? Geht da rein, Kinder, Jugendliche, Erwachsene, Rentner, Privatpersonen, Studierende. Macht was daraus, Angestellte, und tut nicht immer so, als wäre es irgendwie anzüglich, sich selbst zu präsentieren und Leute begeistern zu wollen. Und ihr da im Bundesministerium für Bildung und Forschung - mehr Geld, bitte!
Ich will im Zuge dessen auch mal eine Lanze für die Ausbildung zur Bibliothekswissenschaftlerin brechen. Ja, das kann man studieren. Nein, ich lerne nicht nur, ein Wägelchen zwischen den Regalen durchzuschieben und Leute streng anzusehen, wenn sie ein Buch selbstständig zurückstellen, ohne die Systematik zu kennen. Ja, ich lerne noch ganz viele andere Sachen, nämlich Bibliotheks- und Buchgeschichte, Bibliothekssysteme in den verschiedenen Ländern, Katalogisierung nach wissenschaftlichen Standards, BWL, Öffentlichkeitsarbeit, Informationstechnologie, Ermitteln, Verwalten, Präsentieren und Vermitteln von Information, kurz, alles, was mir dabei hilft anderen zu helfen. So super google auch ist, gute Bibliotheken kann es nicht ersetzen.

The Hollywood Librarian

Genau deswegen sind die US-Amerikaner Spitze im Bibliothekswesen. Das will ich auch, vor allem sehen.

Say ‘no’ to life

Eigentlich dachte ich, alle Jugendbewegungen zu kennen. Billy Talent läuft im Radio, die Indizierungsverfahren gegen die Aggro-Berlin-Wichser verfolge ich mit großer Erheiterung, und die Bravo-Site zeigt augenblicklich keine Band, von der ich nicht schon was gehört hätte.

Bis eben war das so. Neben photoshoppen und coden hab ich heute aber noch was anderes gemacht, nämlich Wertstoffe zum Neuköllner Recyclinghof gefahren [der Typ im praktischen Familienvan vor mir musste sich mit Frau auf dem Beifahrersitz von einem der im Recyclinghof angestellten Urberliner Müllmänner anbellen lassen, weil er nicht wusste, dass man bei der Einfahrt mündlich genau zu protokollieren hat, welche Wertstoffe sich im eigenen Wagen befinden. Mein Vorteil ist, dass ich Brüste habe und aus Brandenburg komme - die Kombi aus weiblichen Geschlechtsspezifika und berlinern zieht immer…], und danach - mit Strecke über Tempelhof - bin ich an der Columbiahalle vorbeigekommen, vor der sich um halb drei Uhr nachmittags ca. 200 jugendliche Gothics versammelt hatten. Weil nix dran stand an der Columbiahalle außer “tonight”, und ich ja immer am Puls der Zeit bleiben will, hab ich gerade mal recherchiert. Die gesammelten Informationen ergeben ein Bild, das sehr von den Cordhosen-Slacker-Bandkonzepten abweicht, die ich aus meiner Jugend gewöhnt bin:

The Gazette - fünf Edelgothics aus Japan - haben heute um 18:30 Uhr eines ihrer Abschiedskonzerte in Berlin gegeben. Die Mitgliedersteckbriefe auf der Band-Site enthalten nicht nur so existenzielle Infos wie die Blutgruppe - nein, aus der Feder von The Gazette stammen auch so traumhafte Musiktitel wie Art drawn by vomit. Der Besuch auf der Seite sollte denn auch nur mit megamäßigen Lagervorräten an Glückshormonen gewagt werden. Die Hauptfarbe ist schwarz, das Hintergrundbild zeigt die Ecke eines Kellerraumes, dessen Wände blut- und farbverschmiert sind, und in Endlosschleife läuft eine nicht abzustellende Klaviatur, aufgebaut aus denselben paar Molltönen.

Wenn ich mir sowas mit 14 angehört hätte, könntet ihr das jetzt nicht lesen.

Das Einbinden eines Bandphotos entfällt, aufgrund der überschwenglichen Angst, danach von Teufeln und Dämonen heimgesucht zu werden.

Hello again

Auf meiner “Kät’s 2007 list of achievements” ist nicht mehr viel Platz. Letzter Posten: blog + website relaunch.

Was wir also hier haben sind beste Voraussetzungen, das Wetter, das einen immer zu Aktionismus drängt, hinter sich zu lassen und mal wieder was zu schaffen.

[P.S. Post-Titel also refers to: Schon allein, weil ich den 5 (!) Monate alten, neuesten Post nicht mehr sehen kann.]

[P.P.S. Der Sommer war super.]