Abgesang auf einen alten Freund, der mehr getan hat, als ihm klar war
Auf dem Kassenzettel steht Ypso-Markt und auf den Ausdruckknopf an der Kasse hat Frau Dobler gedrückt, die war es nämlich, die den Mitsubishi 60cm-Diagonale-Röhrenbildschirm mit Videotextfunktion dereinst, also am 20.09.1993, für 1299,00 Westmark an meine Oma verkauft hat.
Meine Oma ist sechs Jahre später gestorben, der Fernseher ist in mein Jugendzimmer gezogen, in meine erste Bude, in die zweite, dritte, vierte und fünfte.
Vor drei Wochen, als er - meinem Möbelumstellwahn zufolge - das ca. 23. Mal in acht Jahren seinen Platz wechseln musste, hat er es einfach aufgegeben. Leckt mich am Arsch, ich habe eine Währungsumstellung mitgemacht, den Verfall der deutschen Fernsehkultur hautnah miterlebt, deine bekloppten VHS-Kassetten gezeigt und später DVD’s. Ich will nicht mehr, ich bin alt und überflüssig. Es schmerzt, denn glaubst du, ich habe nicht mitbekommen, dass keiner mehr mich und meinesgleichen haben will, alle nur noch von HDTV und Plasma sprechen?
Ich habe nur noch die Oscar-Verleihung auf einem halb so großen Fernseher, der drei Meter Luftlinie von mir weg stand, gesehen. Danach nichts mehr. Kein G’sNTM, kein DSDS, keine Klingeltonwerbung, nicht die siebzigste Wiederholung von King of Queens. Arte und cnn vermisse ich ein bisschen, Anne Will auch und Claus Kleber.
Aber sonst nichts.
Danke, lieber alter Freund. Dem Wertstoffzyklus führe ich dich zu, dass auch dein Tod ein schöner wird. Und ich verspreche, dass ich dich nicht ersetze, bis mir das Schauen von Filmklassikern und Sitcoms aus Amerika auf einem 17”-Laptopbildschirm zu sehr auf die Nerven geht.
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