Wir treffen uns in 20 Minuten

Das sagt er immer. Und mit derselben Häufigkeit versetzt er mich. Er ist mein Kerl und hat seinen Schreibtisch im angrenzenden Zimmer, den Arsch jede Nacht in meinem Bett. Woher ich weiß, dass er keine Geliebte hat, die verhindert, dass er rechtzeitig zu mir kommt? Na, es gibt doch Fifa Soccer. EA Sports! It’s in the game…

Die Maschinen übernehmen

Das weiß ich ganz genau und bevor irgend jemand sagt: “Ja ja, red du mal”, liefere ich auch die untrüglichen Beweise.

  1. Gestern abend habe ich einen Film auf dem Laptop geschaut und der war lang und nicht auf DVD, sondern nur auf CD, also auf zweien, weil er eben so lang war. Und ich habe vier Dateien auf den Desktop kopiert [2x avi, 2x srt] und ich war schon angespannt, weil die ersten beiden Dateien ja irgendwann zuende sind und dann habe ich an die Pause gedacht, die zwingend entstanden wäre, wenn ich die anderen hätte anspielen müssen. Hätte, würde, könnte. So war es dann aber nicht, denn - und hier komme ich zu Punkt eins der Beweisführung: ich musste gar nix machen! Nix! Einfach weiterschauen! Es hat kurz mal gezuckt in Bild und Ton und ich brauchte so zwei Minuten, bis die Information in den dafür vorgesehenen Hirnarealen angekommen war und dann dachte ich: “Schau doch mal auf die Progressleiste vom Medienspieler” [aber nicht Media Player, der zickt ein wenig bei Untertiteln], und siehe da, die beiden zweiten Dateien liefen schon! Und, jetzt kommt’s: Die liefen nicht mal erst seit zwei Minuten. Das Bild- und Ton-Zucken war ein ganz normales Zucken, jedenfalls nicht verursacht vom Wechsel und das fand ich schon erschreckend, dass man das - heutzutage - so gar nicht mehr merkt, wenn der Computer zum eigenen Wohlbefinden beiträgt. Aber auch eher nicht, weil ich würde den Wechsel ja lieber selbsttätig vollziehen. Wer weiß, was da noch kommt, zuerst ist es nur der Dateienwechsel und schwuppelwupp….
  2. Magix Video de Luxe ist auch nicht mehr das, was es mal war. Wollte eben nur Untertitel zu einem eigenen Film erstellen [was ja nebenbei bermerkt, die undankbarste aller undankbaren Aufgaben ist] und irgendwann, nach einer Stunde Arbeit und drei geschafften Filmminuten [dieses Verhältnis! Untertitel erstellen ist ja auch die… ach, das hatten wir ja schon] macht MVDL nix mehr! Ganz normale Handlungsabläufe und plötzlich eine Fehlermeldung, die starr und steif auf dem Bildschirm bleibt und zu denken scheint: “Mein großer Auftritt! Endlich! Wie lange habe ich darauf gewartet! Monate! Das lass ich mir nicht vermasseln und geh einfach wieder, wenn du einmal auf ‘OK’ gedrückt hast! Nix da!!!” War auch nix mehr da. Also, der Rechner schon, aber die CPU-Auslastung war ein Witz, nur hab ich niemanden lachen hören, nur mich in der Küche beim Essenmachen, aber das liegt daran, dass ich in Momenten des Chaos vor Wahnwitz nur so sprühe.

Was ich gelernt habe:

  1. Magnolia ist immer eine Reise wert.
  2. Wenn Philip Seymour Hoffmann an meiner Tür klingelt, geh ich mit.
  3. Nachschauen, ob MVDL eine Auto-Speicher-Funktion besitzt. Wenn nicht: Nach dem ersten erstellten Untertitelsatz Wecker auf in fünf Minuten stellen und immer wieder ‘Schlumm’ drücken [’Schlumm’ steht - im Gegensatz zu ‘Aus’ - für ‘Schlummerfunktion’ und das ist ja wohl das schönste neudeutsche Wort, das es gibt!]
  4. Nicht die Maschinen übernehmen lassen.

A random list of everything and nothing

  • LEBEN
  • Früher: My Gosh, hatte ich VIEL Zeit! Und nix, um sie angemessen zu füllen!
  • Heute: My Gosh, habe ich viel, um Zeit zu füllen, die nicht da ist.
  • SEMESTERFERIEN
  • Früher: Ferien
  • Heute: “Mit Ferien werden Zeiträume bezeichnet, in denen eine Einrichtung vollständig schließt, um ihren Angehörigen andere Tätigkeiten, insbesondere Erholung zu ermöglichen.” [via Wikipedia] Ja, klar.
  • MUSIK
  • Früher: laut, verzweifelt, untanzbar
  • Heute: zum Mitmachen, Tanzen, Singen, Lalala [Kim Frank hat ja neulich in Stadtkind gesagt, er hasst Jack Johnson, der Typ könne mal kacken gehen, weil er über nix Trauriges sänge. Kim Frank, du bist echt auch ganz schön blöd geworden. Ja, und aufgedunsen, aber das muss ich ja nicht noch erwähnen.]
  • FAMILIE
  • Früher: nervtötend, weil nicht existent
  • Heute: nervtötend, weil immer da
  • ESSEN
  • Früher: zu wenig, dann aber Junk
  • Heute: zu viel, vor allem Geld, das im Bioladen gelassen wird
  • TRINKEN
  • Früher: zu wenig Wasser, zu viel von allem anderen
  • Heute: auf fast jeder Party die Einzige, bei der es um zehn nach eins noch nicht im Kopf propellert
  • Vorteil: voller Tatenfrische am nächsten Tag
  • Nachteil: die Erträglichkeitsmesslatte für bullshit talk hängt ungefähr zwei Millimeter über dem Fußboden
  • JOB
  • Früher: zufälliges Aufeinandertreffen von temporärer Motivation und Akkordmumpitz auf hohem Niveau unter kompletter Ausnutzung aller Urlaubstage
  • Heute: schlecht bezahltes Ernstgenommenwerden, das einen ruhig schlafen lässt
  • SEHNSUCHT
  • Früher: nach Stabilität
  • Heute: nach allem, das sich nicht voraussehen lässt
  • LIEBE
  • Früher: romantisch, stürmisch, drängisch
  • Heute: “Tell me I’ll never have to be out there again.” - “You’ll never have to be out there again. ” [Marie und Jess in When Harry met Sally]

Abgesang auf einen alten Freund, der mehr getan hat, als ihm klar war

Auf dem Kassenzettel steht Ypso-Markt und auf den Ausdruckknopf an der Kasse hat Frau Dobler gedrückt, die war es nämlich, die den Mitsubishi 60cm-Diagonale-Röhrenbildschirm mit Videotextfunktion dereinst, also am 20.09.1993, für 1299,00 Westmark an meine Oma verkauft hat.

Meine Oma ist sechs Jahre später gestorben, der Fernseher ist in mein Jugendzimmer gezogen, in meine erste Bude, in die zweite, dritte, vierte und fünfte.

Vor drei Wochen, als er - meinem Möbelumstellwahn zufolge - das ca. 23. Mal in acht Jahren seinen Platz wechseln musste, hat er es einfach aufgegeben. Leckt mich am Arsch, ich habe eine Währungsumstellung mitgemacht, den Verfall der deutschen Fernsehkultur hautnah miterlebt, deine bekloppten VHS-Kassetten gezeigt und später DVD’s. Ich will nicht mehr, ich bin alt und überflüssig. Es schmerzt, denn glaubst du, ich habe nicht mitbekommen, dass keiner mehr mich und meinesgleichen haben will, alle nur noch von HDTV und Plasma sprechen?

Ich habe nur noch die Oscar-Verleihung auf einem halb so großen Fernseher, der drei Meter Luftlinie von mir weg stand, gesehen. Danach nichts mehr. Kein G’sNTM, kein DSDS, keine Klingeltonwerbung, nicht die siebzigste Wiederholung von King of Queens. Arte und cnn vermisse ich ein bisschen, Anne Will auch und Claus Kleber.

Aber sonst nichts.

Danke, lieber alter Freund. Dem Wertstoffzyklus führe ich dich zu, dass auch dein Tod ein schöner wird. Und ich verspreche, dass ich dich nicht ersetze, bis mir das Schauen von Filmklassikern und Sitcoms aus Amerika auf einem 17”-Laptopbildschirm zu sehr auf die Nerven geht.

Der schönste Dialog seit langem

Und zwar aus Mean Streets [1973, von Martin Scorsese, Robert de Niro in seiner ersten größeren Rolle]:

Charlie Cappa [Harvey Keitel]: I like mountains.

Teresa Ronchelli [Amy Robinson]: But there are no mountains in Manhattan.

Charlie Cappa [Harvey Keitel]: Tall buildings. All the same.

Be my Filmrolle/Tonight

Fast Food Nation war jetzt ganz OK, aber auch nicht überragend, aber doch irgendwie gut und die Kamera war sehr schön, die Optik auch, so flirrend, amerikanisch und heiß, wie es in Colorado und Mexiko wahrscheinlich auch ist, zumindest im Sommer.

Eine der Darstellerinnen, Amber, hatte ich schon mal irgendwo gesehen, also im Fernsehen. Ich konnte mich daran erinnern, dass es eine biedere amerikanische Sitcom aus meiner Frühjugend war und sie noch viel, viel jünger. Zum Glück gibt es imdb und sobald ich zuhause war, habe ich auch gleich das Laptop gezückt, das lasse ich mir nicht nehmen, soviel ist ja schon mal klar.

Und ich hatte recht, wenn schon sonst nicht. Ashley Johnson war die jüngste Tochter der Familie Seaver in Growing Pains, dt. Unser lautes Heim. Lief von 1985-92 in den USA, bei uns wahrscheinlich mit drei-, vierjähriger Verspätung und für uns aus’m Osten ja sowieso noch später.

Jetzt machen auch all die Kirk Cameron-Witze bei Family Guy plötzlich Sinn, der spielte den ältesten Sohn und hat in seiner Schauspielerlaufbahn nie was Vernünftiges gemacht, ist außerdem während der Growing Pains-Zeit zum Christ geworden und wollte daraufhin Julie McCollough nicht mehr in der Serie haben, weil die im Playboy war.

Für alle Besessenen ein frühes Bild der Serie, noch ohne Ashley Johnson, weil die erst eingestiegen ist, als die Tochter vier oder so war:

season5

Und weil wir gerade dabei sind: Nach langer Zeit mal wieder Ghost World gesehen. Ein ganz ganz fantastischer, kleiner, kruder Film mit Thora Birch, die nach American Beauty und eben Ghost World leider nix Relevantes mehr gemacht hat. Was ich trotz des Wissens, dass sie für Ghost World ein bissl zugenommen hat [ich meine, was sind schon zehn Kilo?!], doch erstaunt hat, ist ihr Look heute. Sowas will ich doch in Style-Shows sehen, wo jemandes Erscheinung rundum erneuert wird!

Thora Birch 2001 [und ist die Scarlett nicht süüüüß?]

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Thora Birch 2006

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Meine Güte!

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