Der Assi-Penny um die Ecke ist immer wieder für eine Anekdote gut

Eigentlich bin ich mit dem festen Vorsatz hingegangen, wieder einmal eine Revolution zu starten. Wie jedeR Zweite vergesse ich nämlich immer wieder den am Einlass erhaltenen Pfandbon beim späterhin stattfindenden Geldaustausch einzulösen. Auf meinem Pfandbon stand das Datum von vor zwei Wochen und In diesem Markt einlösen, aber nicht Am selben Tag in diesem Markt einlösen. Ich hatte mir schon Worte zurecht gelegt, weil ich 1. ein klassisches Opfer der Nick-Hornby-Situation* bin und 2. ein selbstgerechtes Arschloch, dass sich gerne mit Pennymarkt-VerkäuferInnen um den Gegenwert von 1,50 EUR streitet.

Leider besprung mich aber beim erneuten Aufstellen vor dem Pfandflaschenautomaten gleich das großgrellgelbe Schild Den Bon gleich nach Erhalt einlösen. Das machte aber nichts, wurde ich für die Schmach alsbald in anderer Form entlohnt, nämlich als ich gen Kassiermaschinen lief und schon von Ferne vernehmen konnte, wie die eine Kassiererin ihren ihr gegenübersitzenden Kollegen [den ich aufgrund unserer wenig gehaltvollen gemeinsamen Geschichte ganz gar schrecklich finde, aber das steht auf einem anderen Blatt] vor versammelter Kundenschaft in betörender Lautstärke zur Sau machte.

WENN ICH KLINGELE, DANN KOMMST DU GEFÄLLIGST GLEICH! ICH HABE DREIMAL GEKLINGELT UND DU BIST NICHT GEKOMMEN! UND JETZT BLEIBST DU MAL SCHÖN HIER, WEIL ICH WILL AUCH MAL PAUSE MACHEN.

Kleinlaute Einwürfe von seiner Seite mähte sie mit einer Tiradenwiederholung sofort nieder und ich freute mich, weil er abgelenkt war und sich jetzt wenigstens nicht beschweren konnte, dass ich keinen Einkaufswagen hatte und er meine paar Nahrungsmittel nach dem Scannen auf der für Unterschichtenessenmärkte typischen 10×10cm großen Nahrungsmittelabstellfläche übereinanderstapeln musste, bevor ich sie in meinem Dederonbeutel verstauen konnte.

Die Kunden schmunzelten teilweise in sich hinein, der andere Teil schaute angeekelt und entsetzt, bis auf eine kleine Horde Italiener, die sowieso kein Wort verstanden. Einer in der Horde repräsentierte dann auch meine tägliche gute Tat für den Sozialismus, weil er nämlich mit einem zusammengekrumpelten Haufen Apfelsinenschalen verwirrt und überfordert am Packtisch stand und überlegte, ob er ihn in den Schlitz für Papier, Plastik oder Metall werfen sollte. No, none of it, antwortete ich souverän und beim Rausgehen den schmuchtigen Mülleimer in der Ecke erblickend, schaute ich mich noch einmal um, zeigte mit dem Finger darauf und rief triumphiered Look, there’s a garbage can!.

Hach, und dabei wollte ich nur für fünf Minuten in den Penny.

 

* Nick-Hornby-Situation, die: beschreibt die aussichtslose Lage, in der man sich befindet, wenn man merkt, dass man in einer wenige Augenblicke zurückliegenden Interaktion mit anderen Menschen anders hätte reagieren sollen, es natürlich nicht getan hat, weil es entweder an Mut oder Schlagfertigkeit mangelte. Erkennbar ist die N.-H.-S. an den Ausrufen Ich hätte DAS sagen/tun sollen! und Ich bitte um Zurückdrehen der Zeit um … Minuten.

Comments

One Response to “Der Assi-Penny um die Ecke ist immer wieder für eine Anekdote gut”

  1. Please jump over : I’m calling from a prison phone on November 1st, 2007 9:23 pm

    […] Ich bitte um restlose Streichung dieses Tages aus Raum- und Zeitkontinuum. Nicht sehr hilfreich, dass gerade dieser Post dafür sorgen wird, DASS er nie aus meinen Gedächtnis gestrichen wird, vorausgesetzt das Internet löst sich nicht doch auf, bevor ich jeglichen Blog-Content für die Nachwelt sichern konnte. Was war geschehen? Zuvördert und sowieso am schwersten der fortschreitende Verfall des Zellkonstruktes, der sich mein Körper nennt. Mit nunmehr 28 Jahren, 2 Monaten und einem Tag hat er [also, der Verfall] jenes Stadium erreicht, in dem ein sorgloser Tag nicht mehr möglich ist, wenn man am Abend davor zwar keinen Alkohol zu sich genommen, dafür aber 6 Stunden in einem ordentlich verrauchten, sozialkitverschmierten Raum verbracht, erst um fast 2 Uhr Schlaf gefunden hat und nur knapp über 6 Stunden später aus eben jenem sich wieder erheben musste, um das zu tun, was man so macht, wenn man weder reiche Eltern noch einen Studienabschluss besitzt. Das Einzige, was ich heute richtig gut konnte, war Starren, wahlweise in den erschreckend ereignis- und kommunikationslosen Seminarraum, in den Computerbildschirm oder aus dem Zugfenster. Weitere Haken auf meiner Scheißtagliste bestehen aus einer von bösen Geistern besessenen Espressomaschine, drei Minuten nach 9 Uhr morgens, einem ohne Informationserfolgung nicht durchgeführten Donnerstagabend-Seminar, für das ich extra die Stadt verlassen hatte, und einer schnippischen Suppenverkäuferin, die sich weigerte, ein 30qm großes Gebiet hinter der Theke nach einem für mich abgegebenen Päckchen zu durchsuchen, mir dafür aber in Aussicht stellte, dass ihre Kollegin, die es angenommen, vielleicht auch mit zu sich nach Hause getragen hatte, eventuell aus Diebstahlsicherungs-, oder anderen, mir vollkommen unverständlichen Gründen. So ganz uneigentlich machte es mir richtig viel aus, morgen nochmal vorbeizukommen, aber wie immer hinterließ Nick Hornby, das blöde Arschgesicht, seine hässliche Fratze an der weiß getünchten Wand. Gerüchteküche ist sowieso ein selten dämlicher Name für eine Eintopfverköstigungsstelle. […]

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