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Liebes COMEDY CENTRAL-Team,
vielen Dank für Ihre Antwort, dennoch fühle ich mich dadurch als Zuschauerin nicht sehr ernst genommen. Was soll das heißen: Es kam ja auch niemand auf die Idee King of Queens oder Sex and the City im englischen Original zu zeigen? Das ist weder eine Begründung noch eine adäquate Entgegnung auf meinen Vorschlag, mehr Serien im Originalton zu zeigen.
Niemand kam auf die Idee, den Krieg im Irak zu beenden, deswegen schicken wir jetzt noch mehr Soldaten hin. Das ist vielleicht ein hanebüchenes Beispiel, illustriert aber sehr gut, was ich meine. Es ist keine Begründung, wenn man sagt, dass bisher niemand auf die Idee gekommen ist! Umso schlimmer, dass sie sich vom Massengeschmack leiten lassen und nicht als Erste damit anfangen, etwas zu ändern!
Die deutschen Synchronisationen gehören im Allgemeinen zu den besten der Welt. Ich bestreite auch nicht, dass sie hohe qualitative Standards ansetzen. Abgesehen davon aber, dass es nicht unbedingt ein Kompliment ist, Synchronisationsweltmeister zu sein, weil es uns als faules, nichts wagendes, kunstuninteressiertes Volk auszeichnet, finde ich nicht, dass das automatisch bedeutet, dass die Synchronisation so gut ist wie das Original.
Denn das ist sie nicht. Sprache ist mehr als die sture Übersetzung von Buchstabenfolgen. Sprache transportiert ein Gefühl, eine Haltung, die Persönlichkeit des Schauspielers und nicht umsonst gibt es beispielsweise keine Eins zu Eins-Übersetzungen von Redewendungen. Englischsprachige Idiome bedeuten immer eine kleine inhaltliche Abweichung von deutschen, manche lassen sich gar nicht übersetzen, weil der Ausdruck aufgrund von Mentalitätsunterschieden gar nicht innerhalb einer anderen Sprache existiert.
Ich zähle ihnen gern noch mehr Kunstwerke auf, die im Deutschen trotz guter Synchronisation nicht lustig sind: South Park, Family Guy, The Simpsons, Seinfeld, Sex & the city, Scrubs, It’s always sunny in Philadelphia, alle Woody-Allen-Filme usw.
Auch ich gehöre zum deutschen Publikum und verlange mitnichten nach synchronisierten Fassungen, im Gegenteil frage ich, ob man das nicht reduzieren kann. Bei Serien wie The Real Life, wo ein Sprecher einfach über das noch hörbare Englisch drüberquatscht, handelt es sich doch auch schon nicht mehr um eine “klassische” Synchronisation und erscheint umso fragwürdiger, wenn man sieht, dass es bei Chappelle’s Show doch auch original mit deutschen Untertiteln geht. Sie können mir nicht erzählen, dass Untertitel nicht gewünscht werden, denn wenn Chappelle’s Show nicht auch auf diese Art erfolgreich wäre, wäre die Show schon längst abgesetzt.
Wenn es Ihnen egal ist, dass die anspruchsvolleren ZuschauerInnen in Ihrer Marketingstatistik nicht auftauchen und nicht mehr autauchen werden; wenn Sie es irgendwie cool finden, in einem Mix aus deutscher Sprache und Anglizismen zu sprechen, in der Endkonsequenz aber nicht auf Originaltöne zurückgreifen; wenn es Ihnen egal ist, dass Ihr Sender mit synchronisierten Fassungen an Qualität einbüßt; wenn sie damit leben können, dass sich Jugendliche daran gewöhnen, dass sie sowieso immer alles häppchenweise und bequem vorgesetzt bekommen, und dann im europäischen Sprachvergleich schlecht abschneiden [vor allem im Vergleich zu jenen Nachbarn, von denen diejenigen einen ungemeinen fremdsprachlichen Vorteil haben, die NICHT oder selten synchronisieren, wie z.B. Skandinavien, Schweiz, Holland], dann möchte ich nichts gesagt haben.
Dennoch bitte ich Sie, falls Sie mir hierauf antworten sollten - was ich sehr hoffe - dass Sie das nicht wieder in Form eines vorgenerierten Textes tun, der offensichtlich unter dem Dateinamen “Jemand regt sich über schlechte Synchronisationen auf” abgespeichert liegt.
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