Schöner lernen mit RTL

SternTV klärt nämlich über Rechtsirrtümer auf [Höcker, Ralf: Neues Lexikon der Rechtsirrtümer]:

Nicht der zuletzt übriggebliebene Gast in einem Restaurant muss die gesamte Rechnung bezahlen, sondern der Wirt muss Sorge dafür tragen, dass er weiß, wer was gegessen/getrunken hat und dass er das Geld dafür bekommt.

Das Aufreißen von Verpackungen in Einkaufsläden verpflichtet nicht zum Kauf.

Man darf während der Autofahrt Alkohol trinken, aber nicht die Promillehöchstgrenze überschreiten.

Es existiert kein Taschenkontrollrecht im Supermarkt.

Als Fahrgast habe ich freie Taxiwahl und muss nicht das ganz vordere nehmen.

Es gibt kein Gesetz, das verbietet, mit einem falschen Namen zu unterschreiben. Man darf sich nur nicht für jemand anderen ausgeben.

Man hat keinen Anspruch darauf, mit einer unbegrenzten Anzahl an Münzen zu bezahlen. Kein Verkäufer muss mehr als 50 Münzen auf einmal annehmen.

Für Garderobe wird nicht gehaftet. Stimmt nicht, wenn es nur eine Aufhängmöglichkeit gibt, die schlecht einsehbar ist oder wenn die Kleidung persönlich entgegengenommen und Geld dafür genommen wird.

Eltern haften nicht für ihre Kinder.

Du bist zu weit gekommen, um die Anweisungen von einem Keks zu befolgen

Gestern habe ich von Pia inspiriert einen Artikel aus google bits zusammengestellt. Dabei festgestellt, das Ana nicht nur die osteuropäische Variante des Names Anna ist, den ich mir aus Gründen der Kunst gegeben habe, sondern auch die Abkürzung für Anorexia nervosa, also Magersucht, die in ihrer verniedlichenden Kurzform für ein neues sogenanntes “Lebensgefühl” herhalten muss.

Pro-Ana kennzeichnet eine Internet-Bewegung, an der man in diesem Zusammenhang nicht vorbeikommt. Für alle nicht mehr fünfzehnjährig Verzweifelten ein kurzer Exkurs:

Die Anhänger von Pro-Ana, fast ausschließlich junge Frauen, tauschen sich über spezielle Pro-Ana-Websites aus. Sie stellen dort die Magersucht bildhaft als extremes Schlankheitsideal dar, dem sie sich mit radikalen Maßnahmen nähern, um letztendlich Zufriedenheit mit sich und ihrem Aussehen zu erreichen. Die Magersucht erhält dabei den Anklang einer Art der Selbstverwirklichung, der Souveränität und der Macht über den eigenen Körper, die gegen eine feindselige Umwelt verteidigt werden muss. Die Assoziation von „Ana“ mit dem Namen „Anna“ ist gewollt und steht für eine idealisierte Personifikation der Magersucht. Sie kommt insbesondere im „Brief von Ana“ zum Ausdruck, der sich auf den Webseiten der Bewegung als ein zentrales Manifest findet.

[via wikipedia]

Das was ich bis jetzt bei meiner Recherche lesen musste, ist verdammt finster: Es gibt Regeln, Glaubensbekenntnisse, Tipps fürs Kotzen, Fasten, Geheimhalten vor Eltern und Freunden, Ratschläge für den Medikamentenmissbrauch, was man macht, wenn man da ist, wo alle essen [Geburtstagsfeiern, Restaurantbesuche], Wettbewerbe [wer hat den niedrigsten BMI?] und die unausweichlichen Fotos vom Knochengerüst, das sich durch die dünne Haut den Weg an die frische Luft bahnt.

Ana ist wirklich Lebensstil. Anders ist der Entschluss, spindeldürr zu sein, auch gar nicht zu bewältigen, denn er erfordert selbstredend einen hohen Aufwand. Fast immer sind gruselige Lebensgeschichten Ursache fürs extreme Hungern, das im Großteil der Fälle den Hang zum Sichselbstschneiden, Depressionen und was es sonst gibt, nach sich zieht. Die Begründung In der Vergangenheit habe ich die Kontrolle verloren, an Eltern, die sich scheiden ließen, Menschen, die mich missbrauchten und schlugen, dass ich in Ana die Möglichkeit sehe, die Kontrolle zurückzugewinnen, denn die/der Einzige, der meinen Körper kontrollieren kann, bin ich selbst, lässt mich dann auch davon absehen, den Size-Zero-Models und -Schauspielerinnen eine schlechte Vorbildfunktion vorzuwerfen. In beiden Fällen sind Zwänge der Grund. Auf der einen Seite von Eltern, die irgendwie gar nichts richtig gemacht haben, auf der anderen Seite von real existierenden Managern, Produzenten, Regisseuren usw., die dennoch allesamt auf scheinheilige, nicht anfassbare, keiner weiß, woher kommende Schönheitsideale zurückgreifen.

Wirkliche Unterstützung scheinen Pro-Ana-Mädchen nur in der Netzgemeinschaft zu finden. Die Töne, die sie sich gegenseitig in ihren Blogs hinterlassen, sind so zärtlich, dass einem fast Pipi in die Augen tritt. Und das Pipi bleibt da, denn einen Ausweg gibt es nicht. Ich bin ein grundsätzlich zuversichtlicher Mensch, bisschen dusselig-gutgläubig auch, aber Pro-Ana ist der erste Umstand, vor dem ich resignierend meine Mütze ziehe. Warum?

1. Es wird, bis die Erde in einem fulminant farbigen Feuerball in der Tiefe des Weltraums verpufft, debile, unbelehrbare, scheißbeknackte Vollspacken geben, die ihren fame daraus ziehen, kleine Mädchen zu ficken, grün und blau zu schlagen, zu vernachlässigen und wie einen Haufen Lebensmittelabfälle den gierigen Schweinen hinzuwerfen.

2. In der Konsequenz: Rasierklingenhersteller und Psychologen werden sich niemals über mangelnde Nachfrage beschweren können.

3. Das Internet entzieht sich jeglicher pädagogischer Kontrolle und bietet in seiner Weitläufigkeit immer und immer wieder Millionen Schlupflöcher. Es offenbart genau jetzt seine stinkenhässliche Fratze, weil es auch der letzten verlorenen Seele die Anonymität bietet, die sie braucht, um sich selbst zu zerstören und mehr oder weniger erhobenen Hauptes in den Lichttunnel zu wandern.

Ich bin fertig. Auch wenn ich wünschte, nur ein Mädchen retten zu können. Ich würde es zu mir nach Hause einladen und Erdbeerkuchen servieren. Ihm sagen, wie schön es ist, auch mit Bäuchlein. Ihm zeigen, dass Geburtstagsfeiern für sich Spaß sind und ihr Sinn genau darin liegt und nicht darin, das Essen zu vermeiden. Ich würde mit ihm im Auto rumfahren, ihm meine lustigen Freunde vorstellen und Enten in der Müritz. Ich würde es fragen, was es vom Leben will außer den Tod und ihm zeigen, dass man sich auch mit anderen Dingen obsessiv beschäftigen kann. Am Ende würde ich es ganz ganz ganz ganz lange & ganz ganz ganz ganz feste drücken. Diese Mädchen wollen nicht dünn sein. Diese Mädchen wollen lieben und geliebt werden.

Vielleicht Coco? Stefanie? Ana in Heaven? Olivia? Deni? Rosafee? Schnurrly15? Sweetana?

[Wegen der unglaublichen Dominanz des Blogproviders myblog innerhalb der Pro-Ana-Klientel schlage ich übrigens vor, diesen zu verbieten.]

Der Assi-Penny um die Ecke ist immer wieder für eine Anekdote gut

Eigentlich bin ich mit dem festen Vorsatz hingegangen, wieder einmal eine Revolution zu starten. Wie jedeR Zweite vergesse ich nämlich immer wieder den am Einlass erhaltenen Pfandbon beim späterhin stattfindenden Geldaustausch einzulösen. Auf meinem Pfandbon stand das Datum von vor zwei Wochen und In diesem Markt einlösen, aber nicht Am selben Tag in diesem Markt einlösen. Ich hatte mir schon Worte zurecht gelegt, weil ich 1. ein klassisches Opfer der Nick-Hornby-Situation* bin und 2. ein selbstgerechtes Arschloch, dass sich gerne mit Pennymarkt-VerkäuferInnen um den Gegenwert von 1,50 EUR streitet.

Leider besprung mich aber beim erneuten Aufstellen vor dem Pfandflaschenautomaten gleich das großgrellgelbe Schild Den Bon gleich nach Erhalt einlösen. Das machte aber nichts, wurde ich für die Schmach alsbald in anderer Form entlohnt, nämlich als ich gen Kassiermaschinen lief und schon von Ferne vernehmen konnte, wie die eine Kassiererin ihren ihr gegenübersitzenden Kollegen [den ich aufgrund unserer wenig gehaltvollen gemeinsamen Geschichte ganz gar schrecklich finde, aber das steht auf einem anderen Blatt] vor versammelter Kundenschaft in betörender Lautstärke zur Sau machte.

WENN ICH KLINGELE, DANN KOMMST DU GEFÄLLIGST GLEICH! ICH HABE DREIMAL GEKLINGELT UND DU BIST NICHT GEKOMMEN! UND JETZT BLEIBST DU MAL SCHÖN HIER, WEIL ICH WILL AUCH MAL PAUSE MACHEN.

Kleinlaute Einwürfe von seiner Seite mähte sie mit einer Tiradenwiederholung sofort nieder und ich freute mich, weil er abgelenkt war und sich jetzt wenigstens nicht beschweren konnte, dass ich keinen Einkaufswagen hatte und er meine paar Nahrungsmittel nach dem Scannen auf der für Unterschichtenessenmärkte typischen 10×10cm großen Nahrungsmittelabstellfläche übereinanderstapeln musste, bevor ich sie in meinem Dederonbeutel verstauen konnte.

Die Kunden schmunzelten teilweise in sich hinein, der andere Teil schaute angeekelt und entsetzt, bis auf eine kleine Horde Italiener, die sowieso kein Wort verstanden. Einer in der Horde repräsentierte dann auch meine tägliche gute Tat für den Sozialismus, weil er nämlich mit einem zusammengekrumpelten Haufen Apfelsinenschalen verwirrt und überfordert am Packtisch stand und überlegte, ob er ihn in den Schlitz für Papier, Plastik oder Metall werfen sollte. No, none of it, antwortete ich souverän und beim Rausgehen den schmuchtigen Mülleimer in der Ecke erblickend, schaute ich mich noch einmal um, zeigte mit dem Finger darauf und rief triumphiered Look, there’s a garbage can!.

Hach, und dabei wollte ich nur für fünf Minuten in den Penny.

 

* Nick-Hornby-Situation, die: beschreibt die aussichtslose Lage, in der man sich befindet, wenn man merkt, dass man in einer wenige Augenblicke zurückliegenden Interaktion mit anderen Menschen anders hätte reagieren sollen, es natürlich nicht getan hat, weil es entweder an Mut oder Schlagfertigkeit mangelte. Erkennbar ist die N.-H.-S. an den Ausrufen Ich hätte DAS sagen/tun sollen! und Ich bitte um Zurückdrehen der Zeit um … Minuten.

Ana ist…

…ihre beste Freundin.

…die füllige, 18jährige Tochter einer in Los Angeles lebenden Latinofamilie.

…aus Bosnien und scheint das genaue Gegenteil von Ruza und Mila zu sein.

…eine Stadt in Südkalifornien, etwa 70 Kilometer südöstlich von Los Angeles gelegen.

…stets gegenwärtig, schreibt Briefe und gibt Lebensregeln aus.

…die Abkürzung für Anorexia nervosa.

…per Autostop aus Sarajevo in Zürich angekommen.

…nicht die hübsche Mexikanerin, die den Männern der Kopf verdreht.

[via Pia]

Content generieren

Liebes COMEDY CENTRAL-Team,

vielen Dank für Ihre Antwort, dennoch fühle ich mich dadurch als Zuschauerin nicht sehr ernst genommen. Was soll das heißen: Es kam ja auch niemand auf die Idee King of Queens oder Sex and the City im englischen Original zu zeigen? Das ist weder eine Begründung noch eine adäquate Entgegnung auf meinen Vorschlag, mehr Serien im Originalton zu zeigen.
Niemand kam auf die Idee, den Krieg im Irak zu beenden, deswegen schicken wir jetzt noch mehr Soldaten hin. Das ist vielleicht ein hanebüchenes Beispiel, illustriert aber sehr gut, was ich meine. Es ist keine Begründung, wenn man sagt, dass bisher niemand auf die Idee gekommen ist! Umso schlimmer, dass sie sich vom Massengeschmack leiten lassen und nicht als Erste damit anfangen, etwas zu ändern!

Die deutschen Synchronisationen gehören im Allgemeinen zu den besten der Welt. Ich bestreite auch nicht, dass sie hohe qualitative Standards ansetzen. Abgesehen davon aber, dass es nicht unbedingt ein Kompliment ist, Synchronisationsweltmeister zu sein, weil es uns als faules, nichts wagendes, kunstuninteressiertes Volk auszeichnet, finde ich nicht, dass das automatisch bedeutet, dass die Synchronisation so gut ist wie das Original.
Denn das ist sie nicht. Sprache ist mehr als die sture Übersetzung von Buchstabenfolgen. Sprache transportiert ein Gefühl, eine Haltung, die Persönlichkeit des Schauspielers und nicht umsonst gibt es beispielsweise keine Eins zu Eins-Übersetzungen von Redewendungen. Englischsprachige Idiome bedeuten immer eine kleine inhaltliche Abweichung von deutschen, manche lassen sich gar nicht übersetzen, weil der Ausdruck aufgrund von Mentalitätsunterschieden gar nicht innerhalb einer anderen Sprache existiert.
Ich zähle ihnen gern noch mehr Kunstwerke auf, die im Deutschen trotz guter Synchronisation nicht lustig sind: South Park, Family Guy, The Simpsons, Seinfeld, Sex & the city, Scrubs, It’s always sunny in Philadelphia, alle Woody-Allen-Filme usw.

Auch ich gehöre zum deutschen Publikum und verlange mitnichten nach synchronisierten Fassungen, im Gegenteil frage ich, ob man das nicht reduzieren kann. Bei Serien wie The Real Life, wo ein Sprecher einfach über das noch hörbare Englisch drüberquatscht, handelt es sich doch auch schon nicht mehr um eine “klassische” Synchronisation und erscheint umso fragwürdiger, wenn man sieht, dass es bei Chappelle’s Show doch auch original mit deutschen Untertiteln geht. Sie können mir nicht erzählen, dass Untertitel nicht gewünscht werden, denn wenn Chappelle’s Show nicht auch auf diese Art erfolgreich wäre, wäre die Show schon längst abgesetzt.

Wenn es Ihnen egal ist, dass die anspruchsvolleren ZuschauerInnen in Ihrer Marketingstatistik nicht auftauchen und nicht mehr autauchen werden; wenn Sie es irgendwie cool finden, in einem Mix aus deutscher Sprache und Anglizismen zu sprechen, in der Endkonsequenz aber nicht auf Originaltöne zurückgreifen; wenn es Ihnen egal ist, dass Ihr Sender mit synchronisierten Fassungen an Qualität einbüßt; wenn sie damit leben können, dass sich Jugendliche daran gewöhnen, dass sie sowieso immer alles häppchenweise und bequem vorgesetzt bekommen, und dann im europäischen Sprachvergleich schlecht abschneiden [vor allem im Vergleich zu jenen Nachbarn, von denen diejenigen einen ungemeinen fremdsprachlichen Vorteil haben, die NICHT oder selten synchronisieren, wie z.B. Skandinavien, Schweiz, Holland], dann möchte ich nichts gesagt haben.

Dennoch bitte ich Sie, falls Sie mir hierauf antworten sollten - was ich sehr hoffe - dass Sie das nicht wieder in Form eines vorgenerierten Textes tun, der offensichtlich unter dem Dateinamen “Jemand regt sich über schlechte Synchronisationen auf” abgespeichert liegt.

Something has left my life and I don’t know where it went to

Das diffuse Gefühl der Sehnsucht erwischte mich Dienstag, als ich aus dem oberen Stockwerk des Doppeldeckerbusses hinunter auf die gestreiften Markisen des Obstgeschäftes schaute, unter denen natürlich gewachste Zitronen in der Auslage schimmerten. Das sind die Momente, in denen ich mich hineingesetzt fühle, in ein Edward-Hopper-Bild, ein diesiges Portland-Foto, bei flickr gefunden, bläuliche Straßen in einem alten The Verve-Video.

Irgendwas fehlt. Der Zug hat mich an diesem Bahnhof rausgeschmissen, und hier gibt es nicht mal eine Bratwurstbude oder einen DB-Reiseshop. Wann der nächste Zug kommt, weiß ich nicht. Die Zugzielanzeiger sind analog und weigern sich, die Buchstaben durchlaufen, sie stoppen zu lassen an Stellen, die ein Wort des Mutes ergeben. Alle sechzig Minuten meldet sich eine Telefonsexstimme aus den rostigen Flüstertüten, die überall angebracht sind. Sie befinden sich im Nirgendwo. Regionalexpress vom alten Leben ins neue, planmäßige Abfahrt vor 4 Monaten, verspätet sich um voraussichtlich… Genau dann knacken die Lautsprecher, als hätte es die Stimme aus dem Jenseits aufgegeben, den Wartenden noch weiter Hoffnung zu machen. Hier passiert gar nichts mehr. Gebt es doch auf.

Ich habe beschlossen, die Nordhalbkugel, Petrus, Januar, Februar, den Schnee, den schneidenden Wind, den Nebel, die Desillusion, Langeweile, Unmotiviertheit, Gott sowieso, die Natur, Daunenjacken- und Wollstrumpfhosenhersteller und den Mond zu verklagen. Und wenn wir dabei sind, auch Menschen, die nicht tanzen können, eine voluminöse, hin und her baumelnde Umhängetasche tragen und bei Konzerten trotzdem in der zweiten Reihe stehen.

In diesem Zusammenhang möchte ich auf die ganz ganz hervorragenden Bands Elvis Perkins, cold war kids & clap your hands say yeah hinweisen. Die haben mit ihrem Sonderzug gestern abend drei Stunden hier angehalten. Das sínd dann wohl auch die Sachen, die den Aufenthalt ein wenig erträglicher machen.

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