Häuserkampf! Und ich bin mittendrin!

Eigentlich hatte alles ganz schön angefangen. Rolf Ehlers schreibt in der Readers Edition einen Artikel über das bedingungslose Grundeinkommen[dieses Blog berichtete], ich verfasse natürlich einen Antwortpost, der sich sowohl inhaltlich mit dem Grundeinkommen, als auch mit den zahlreichen Kommentaren befasst. Einer war mir da schon ein Dorn im Auge, nämlich Herr Costello.

Obwohl nicht beabsichtigt, wurde ich durch weitere Kommentare in der Readers Edition direkte Zielscheibe persönlicher Anfeindungen durch eben diesen Herrn. Ich weiß selbst nicht, ob ich lachen oder weinen soll, aber seht selbst.

Frau Ana am 19. Dezember um 10:42 Uhr:

@ costello

würden sie putzen gehen?
würden sie spargel stechen gehen?
würden sie müllautos fahren gehen?
sie müssen das nicht?
weil sie besser ausgebildet sind?
aber diese faulen, nichtsnutzigen, sich vor allem drückenden arbeitslosen, die sind nicht besser ausgebildet, oder?
die dürfen und müssen diese arbeiten verrichten, oder?

ihre aussagen sind menschenverachtend und reaktionär.
und zudem sehr, sehr einseitig.
wenn sie einen kleinen denkanshub brauchen, bin ich ihnen gern behilflich:

http://anamos.schalljugend.net/blog/2006/12/15/revolution-der-herzen/

mit humanistischen grüßen von einer kreuzberger gesinnungsgenossin

Dass ich nicht so falsch liege, merke ich, weil ich auch gleich Unterstützung von meinem current Lieblingsblogger kriege.

Herr Albert am 19. Dezember um 21:11 Uhr:

aber herr costello,

wir können uns das doch in zukunft nicht mehr leisten, dass die bevölkerung spargelstechen o.ä. geht. wir brauche das bge, damit wir die bildungsinstitutionen verbessern können, damit wir allen den zugang zur bildung ermöglichen und damit wir allen eine zukunft bieten können. wenn alle menschen an der bildung teilhaben werden und unsere bildungsinsitutionen darauf ausgerichtet werden, bei individuen”intrinsische motivationen” zu ermöglichen, dann hat europa eine zukunft. vor allem müssen wir den menschen vertrauen geben, vertrauen ist sehr wichtig. heutzutage ist das nur noch mit dem bge möglich.

versuchen sie es doch ganzheitlich zu sehen. ich blicke auf alle probleme unserer gesellschaft und sehe im bge eine lösung. nicht für alle probleme aber für sehr viele.

Die Diffamie kommt angetapst auf leisen Sohlen.

Herr Costello am 20. Dezember um 00:37 Uhr:

@Ana Mos:

Ich würde Spargel stechen usw., wenn es für mich einen finanziellen Grund dafür gäbe, wie es bei unseren polnischen Nachbarn offenbar der Fall ist. Wenn ich aber auch als arbeitloser Kreuzberger gut über die Runden käme, wäre ich ja dumm, wenn ich mich auf dem Feld oder sonstwo abrackern würde. Hätten Sie die Diskussion einigermaßen aufmerksam verfolgt, wüssten Sie das alles schon. Aber die Berliner Luft scheint das Denkvormögen massiv zu beeinträchtigen.

@Albert:

Warum, bitte sehr, können wir es uns nicht mehr leisten, dass die Bevölkerung Spargelstechen geht? Auf dem Feld zu arbeiten ist eine der sinnvollsten Arbeiten überhaupt, oder lebst du von Luft und Liebe? Und es ist doch Humbug, dass heute nicht jeder Zugang zur Bildung hätte. Noch vor dreißig Jahren gab es prozentual viel weniger Abiturienten oder Studenten als heute.

Aber das Netzwerk ist unerschütterlich! Überall Freunde!

Herr Hinz und Kunz am 20. Dezember um 00:56 Uhr:

Liebe Nachbarin Ana Mos!

Klopf mal auf den Fußboden, wenn du magst: zwei mal. Wohlmöglich wohnen wir im selben Haus?

2. Mitternachtsgruß aus Kreuzberg (36) nach Kreuzberg (?)
Hinz und Kunz

Und wer wäre ich denn, wenn ich das nicht wertschätzte! Und Herr Costello kriegt trotzdem seinen Senf.

Frau Ana am 20. Dezember um 10:18 Uhr:

@ hinz und kunz

36 ist doch klar, mit zauberhaftem, erste-reihe-blick auf den schauplatz der alljährlichen steineschmeißaktionen… ;-)

@ costello

ich weiß ja nicht recht, ob sie reaktionismus zu ihrem lebenskonzept erkoren haben, es scheint mir fast so. mir ist die tragweite ihrer argumentation und die dieser diskussion bekannt, es ist also unnötig, darauf zu spekulieren, dass ich sie nicht verfolgt hätte.
was mich explizit stört, sind die ansichten, die sie vertreten und die so eindeutig aus ihren aussagen herauszulesen sind: ihr nationalismus, konservativismus, rassismus & wirtschaftsliberalismus.
ihre einzigen argumente bestehen darin, nur die schlechtesten eigenschaften in allen menschen vorauszusetzen.
alle menschen sind für sie per se dumm, faul & unmotiviert und sie entschuldigen, dass ich mich dagegen aussprechen muss, da ich ganz und gar nicht dieser meinung bin.
ich weiß nicht, was sie für ein mensch sind und bin längst aus dem alter heraus, in dem ich mir anmaße, vorschnelle schlüsse zu ziehen. deswegen kann ich nicht einschätzen, weswegen sie ihre überzeugungen entwickelt haben.
ich schlage dennoch vor, ‘linke traumtänzer” nicht von vorneherein abzukanzeln. in bezug auf liebe zu sich selbst, anderen und der welt, in der wir leben, kann zumindest ICH ihnen noch einige nette anregungen geben.
und das BGE hat mit diesem gedanken weit mehr zu tun, als sie jetzt vielleicht annehmen.

Und jetzt kommt’s. Haltet euch lieber fest, denn es wird hart und dreckig.

Herr Costello am 20. Dezember um 18:24 Uhr:

@Ana Mos:

Sie sind wirklich eine Lachnummer. Einerseits reden Sie vom Gutem im Menschen, andererseits führen Sie sich so gehässig und ungerecht auf, dass ich keine Probleme habe, Sie mir vor 65 Jahren als hohlwangige Chefanklägerin mit flackerndem Blick im Volksgerichtshof Ihrer Heimatstadt vorzustellen.

Aber ich sollte mich nicht auf eine Stufe der Polemik mit Ihnen begeben. Bezeichnend jedenfalls, dass Sie es nicht geschafft haben, auch nur auf eine meiner konkreten Fragen sinnvoll zu antworten oder etwas anders abzusondern als Gutmenschphrasen.

Und zu Hilfe eilt: Herr Friedrich am 20. Dezember um 18:48 Uhr:

@Costello versus Anna Mos:

Persönliche Beleidigungen sind argumentative Bankrotterklärungen, wenn ich das mal polemisch so sagen darf …

Oh, oh, oh. Was habe ich nur heraufbeschworen?! Die schlimmsten Sehnsüchte und Gefühlsrankungen kann ich in den Menschen erwecken, so dass ich mich frage, ob es nicht gut wäre, in diesem Land eine Militärdiktatur einzurichten. Meine Feinde lasse ich dann einfach köpfen.

Oder ich mache eine Hippie-Insel irgendwo im Pazifik. Wir halten uns den ganzen Tag an den Händen, flechten Zöpfe ins wallende Haar und singen “Put a little love in your heart“.

Dass ich Herrn Costello eine Absage erteilt habe, sich weiter mit mir zu streiten, ist ja wohl klar.

An dieser Stelle sei noch einmal allen Mitstreitern gedankt! Und mit kindlichem Staunen bemerkt, dass ich noch nie eine Versus war.

[I dedicate this post to Mr. Costello who made me adjust a new category just for this one post: I’m glad to be a Gutmenschin]

Comments

6 Responses to “Häuserkampf! Und ich bin mittendrin!”

  1. dissident on December 21st, 2006 12:47 pm

    Das waren wohl die Geister, die du beschworst.

    Grüsse aus dem Abschaum der Schweiz

  2. albert on December 22nd, 2006 11:45 pm

    hallo ana mos,
    ich war die letzten tage
    unterwegs und konnte das geschehen in der blogosphäre nicht richtig verfolgen können. ich sehe aber, dass einiges passiert ist. interessante berichte zum bge (linda: http://linda.qper.de/), ebenfalls:http://yadayadayada.schalljugend.net/2006/12/22/bier-und-videos-und-bananen-in-der-suedsee/)
    aber ich sehe auch, dass da beim readers edition bge-bericht einiges passiert ist. danke dir für die zusammenfassung.

    ich habe auch schon gemerkt, dass gewisser herr costello nicht von dieser welt zu sein scheint. er versteht es einfach nicht, dass deutschland nicht mit spargelstechern im globalen wettkampf bestehen kann, er versteht nicht, dass innovationen ebensolche jobs abschaffen werden, er versteht nicht, dass deutschland eine ressourcenverschwendung betreibt, wenn das bildungsystem es nicht schafft, nahezu alle menschen sehr gut auszubilden. er versteht es auch nicht, dass in deutschland zur zeit das aufstiegsversprechen nicht eingehalten wird, er versteht es ebenfalls nicht, dass das projekt der chancengleichheit gescheitert ist und dass man konsequenzen ziehen muss. er versteht es nicht, dass es keinen sinn macht, dass immer mehr menschen das abitur machen und studieren, wenn sie im nachhinein in einer prekären situation vom praktikum zum praktikum hüpfen müssen. er weiß anscheinend nicht, dass ca. 80% der erwerbstätigen nur eine einkommensquelle haben und keinen arbeitsplatz, er weiß nicht, dass immer mehr menschen aufgrund psychischer erkrankungen krank gemeldet werden, er versteht es nicht, dass großteil der erwerbstätigen mit einer imensen existenzangst leben müssen.

    mir wird in letzter zeit auch immer mehr klar, dass der begriff der gerechtigkeit, den traditionell linke positionen verteidigen überhaupt nichts mehr mit gerechtigkeit zu tun hat. ihre vorstellung von gerechtigkeit rührt eher aus einem tiefsitzendem neid. ich habe fritz kuhn bei einem gespräch mit götz werner erlebt. fritz kuhn argumentierte dort mit gerechtigkeit. er sagt, dass es ungerecht sei, wenn “reiche” ein bge bekämen. aber wo sind da die verhältnisse? eine ungerechtigkeit hier ermöglicht aber auf der anderen seite ein leben für alle, von dem herr kuhn nur träumen kann.

    ich persönlich habe mich entschieden. es gibt keine wirklichen alternativen zum bge und eine andere zukunft ist für menschen unterträglich und unmenschlich.

  3. Ana Mos on December 23rd, 2006 12:36 pm

    hey, danke. endlich wieder inhalt! herr costello hat es mit seinen persönlichen beleidigungen echt geschafft, dass ich mich zwei tage scheiße gefühlt habe. die dunkle seite des internets will mir so gar nicht gefallen, und ich bin auch noch nicht lange genug dabei, sodass ich annahm, der DARF so mit mir reden. aber zum glück gibt es ja allerorten verbündete. ich hab an den sys admin der readers edition geschrieben, dass sie sich costello mal genauer anschauen sollen.
    zumindest hat mich die diskussion insofern gestärkt, als dass es auch für mich keine alternative mehr zum bge gibt. die recherche (vor allem der kampf) gehen also weiter.
    mit mr. fäb von yadayadayada teile ich übrigens tisch und bett, aber die url sagt’s wahrscheinlich schon…
    dir ein zauberhaftes lichterfest! bis nächsten mittwoch wird hier dadurch auch nicht mehr viel passieren.

  4. kaschubisches gedankengut » Blog Archive » auf dem weg zu einer kulturgesellschaft on December 23rd, 2006 8:31 pm

    […] sehr erfreulich. inzwischen gibt es in der blogosphäre immer wieder berichte zum bedingungslosen grundeinkommen. der wohl am meisten diskutierte bericht erschien im readers edition. meine “blogfreundin” ana mos hat dort heftigst mitdiskutiert, einen häuser-nahkampf mit einem weltfremden menschen ausgefochten und in ihrem blog davon ausführlichst berichtet. leider habe ich erst spät davon wind bekommen, so kommt im nachhinein meine reaktion. auch die “blogkollegin” linda, deren blog stefan inzwischen ins sehr schöne blau gepimpt hat, thematisiert das bedingungslose grundeinkommen. hier legt linda sogar eine konkrete rechnung vor. großes lob meinerseits. allerdings muss ich zugeben, dass ich mich erst schlausuchen und -lesen muss, um konkret zu jeder einzelnen rechnung was sagen zu können. ich werde nochmal (nach weihnachten) darauf zurückkommen. auch fäb von der schalljugend (der bett und tisch mit ana mos teilt) findet sarrazanis bemerkungen (siehe auch hier) zum bedingungslosen grundeinkommen skandalös : […]

  5. Perestroika on December 23rd, 2006 11:38 pm

    Hallo ihr Lieben!

    Freut mich, daß ihr (Ana Mos und albert) das BGE nicht aufgeben wollt. Ja, ja der Costello. Das würd ich nicht so eng sehen. Ist bestimmt ein braves Männlein, den nur niemand beachtet und so kann er sich durch Bockigmachen wichtig machen. Da sind ja mehr solche Gestalten gewesen. Besonders der “Politiker” hat sich vom bge-Beifallklatscher zum dummen Costello-Nachahmer gewandelt…

    Ich kenne Menschen aus Foren, die über zwei Jahre hindurch von ihrer “Meinung” keinen Zoll abweichen. Das lehrt einen, gar nicht erst unnötig lange mit ihnen zu “diskutieren”. Interessanter sind doch die, die nix sagen aber viel zu sagen haben.

    Ja, ja der Kuhn (und einige linke). Die begreifens nicht, obwohl es so simpel ist. Schon beim Bafög hat mich diese Gerechtigkeitspsychose genervt: die “Reichen” zahlen ja normalerweise Steuern. Und die hängen vom Einkommen ab. Genau dort sollte die “Gerechtigkeit” ansetzen. Beim Verteilen des geliebten Zasters muß man ja dann nicht schon wieder die Einkommensverhältnisse berücksichtigen.
    Dies drückt nur Neid und vorallem FEIGHEIT aus. Mit den Steuern kriegt mans nicht hin als muß man die “Reichen” sonstwie schikanieren. Das Nachsehen haben aber die “Bedürftigen”, weil die ja für jeden Scheiß ihre Bedürftigkeit beweisen und sich dadurch dann bedürftig fühlen dürfen.

    Frohes Fest, falls vorhanden.
    Perestroika (Hinz und Kunz)

    PS: Ana Mos: ich wohn nicht auf der Kravallstraße, sondern auf einer wichtigen Seitenstraße… Aber immerhin, fast getroffen.

  6. albert on December 25th, 2006 1:26 am

    ja, frohes fest euch allen.

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