I love Melmac

Wir hören gerade alte Alf-Hörspielfolgen. Da hab ich dran geklebt, als ich zehn war, mit meinem nach der Wende in Westberlin erworbenen weißen Walkman mit silbernen Powerstreifen auf der Kassettenklappe. Es ist einerseits erstaunlich, wie bieder und tränendrüsig diese Serie war, andererseits, dass ich mich an kleinste Pointierungen in der Sprechführung erinnern und sie immer noch mitsprechen kann.
Wie oft muss ich das Zeug gehört haben.
Teil 1 der Serie: Ich werde alt
Ich habe keine Lust mehr auf den Scheiß.
Also, aufs Studieren. Dass die Klos im Institutsgebäude seit ihrer Errichtung weder neue Farbe, noch eine WC-Ente gesehen haben, daran gewöhnt man sich irgendwann [aber Papier zum Arsch- und Händewaschen ist immer da!]. Ebensowenig lohnt es sich, sich über Nerd-Professoren aufzuregen und ihre Unfähigkeit, den Studenten ihren Hirninhalt möglichst plastisch nahezubringen, das begleitet einen schließlich ab dem ersten Semester.
Neulich habe ich allerdings feststellen müssen, dass ich mich bereits im 14. Hochschulsemester befinde [ich meine, wer weiß das schon so genau, das verfliegt ja auch alles so, je länger man sich in diesem Laden aufhält] und gar nicht langsam aber schnell merke ich, dass ich ganz schön zu alt für diesen Quatsch geworden bin, so gar keine Entdeckerfreude mehr entwickeln kann und nur noch feststellen kann:
- 95% aller Studenten sind komplette Idioten
- Die Hälfte von denen ist geboren worden, als ich in die Schule kam
- Ich will keine Fragen mehr hören, die so lauten:
- 150 Leute in einer Vorlesung sind 100 zuviel
- Meine Po- und Beinmuskelkapazitäten geben es nicht mehr her, dass ich 1 1/2 Stunden auf einem Flourteppich sitze
- Die Überinformiertheit über Sachverhalte, die mir längst klar sind, nimmt mit mangelndem Detailwissen, dass Dozenten innerhalb von fünf Sekunden ausspucken und sofort übergehen, proportional zu
- Jegliche Anstrengungen, sich auf präferierte Themenspektren zu spezialisieren [und dafür soll das Hauptstudium doch da sein], wird im Keim erstickt, wenn nur Seminare angeboten werden, die rein gar nichts damit zu tun haben
- Wenn man sich schon arbeitende Freunde und Freundinnen anschaut, können die alle bestätigen, dass Studieren zwar nett, aber völlig sinnlos für die auszuführende Tätigkeit ist
- Wo steht denn der Semesterapparat?
Wieviele Seiten muss die Hausarbeit denn haben?
Können wir das Referat auch zu viert halten?
Andererseits bin ich aber auch zu weit gekommen, um jetzt alles hinzuschmeißen. Ich reiß das hier noch runter, hilft ja nix.
HelloWorld
Ich mache jetzt ein Java-Hauptseminar, deswegen kenne ich mich gut damit aus, wie man erste Dinge betitelt. Zum Beispiel erste Blogeinträge.
Und zu diesem Anlass lege ich meinen 31. Dezember dieses Jahr nach vorne und den Jahresrückblick inkl. 2-Monatsvorschau jetzt schon vor.
Geschafft Gemacht:
- Nicht durch die Zwischenprüfung gefallen
- Mit Mutter und Vater auf Null zurück und hier wieder anfangen
- Sechs Monate London überlebt ohne meinen Körper zu verkaufen
- Das Internet zu meinem Freund gemacht [Wieso eigentlich der Freund? Hat schon mal jemand gefragt, ob das Netz vielleicht weiblich ist? Hab ich hiermit getan.]
- Die Gitarre auch, ich glaub, sie mag mich
- Sechs Monate London mit Kerl überlebt und wir sind immer noch zusammen
- Und zusammengezogen! [Ganz toll übrigens, sollte jeder, der sich in einer Zweierbeziehung befindet, unbedingt ausprobieren!]
- Drei Hauptseminare belegt mit der festen Vornahme, sie MIT Schein zu verlassen
Noch vor:
- Feeds regelmäßig vor Erreichen der 30er-Marke abarbeiten
- Das Heim noch schöner machen
- Ganz viele Bücher lesen und noch schlauer werden
- Nicht mehr drum kümmern, was andere sagen oder denken könnten
- Ein Mal pro Woche in der Badewanne bei Jazzmusik von Deutschlandfunk Zeitung lesen und Schmutz und Haare tiefenrein von der Haut schrabbeln
- Die perfekten Winterschuhe finden
- Musik machen mit dem Kerl und anerkennen, dass es Meinungen über die eigene hinaus gibt
- Mehr essen
Danke und gutes Gelingen.




